Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 7 (1920)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1920)
- Date
- 1920-05-01
- Page
- Seite 273 (sequence 75)
- Language
- German
- Belongs to
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Leben und Wirken Dr. I. Hildesheimers. ‘273 Lage der Juden entfalten, aber in dem Becher des Freiheitsrausches halte sich doch noch manch' bitterer Tropfen der Missachtung der Religion — die ja in Frankreich s. Z. entthront worden war — erhalten. Man glaubte, in dem Gefühl der neuerworbenen Freiheit, das ]}and mit den jüdischen Volksgenossen, denen noch nicht die Sonne des Glückes leuchtete, — und mit denen uns doch auch die Erinnerung an gemeinsames Leid gerade für die Väterreligion binden musste — lockern zu können. Und so konnte der 1 abbin Ische Eideshelfer Jacobsons, Mendel Steinhardt, Neffe des berühmten Fürther Talmudisten Joseph Steinhardt, des Verf. des Resp. זניח ־םף\ es wagen, in einem seiner Gutachten es auszusprechen, dass nunmehr, wo nur noch in entlegenen Gegenden der Berberei die Juden gedrückt werden, die Pijutiffi, die zumeist yon Verfolgungen früherer Zeiten handeln, aus dem Gebet ausgeschaltet werden können. Dass nun Hildesheimer, wie wir sehen werden, allen diesen öesmictive.a Tendenzen mit Erfolg entgegenzutreten berufen war, haben wir dem gesunden Sinn seiner lleimatsgemeinde zuzuschreiben. Ilnjberstaät kann zwar nicht mit den hochberühmten K’Lilioth der Rheingegend an Alter und Reichtum von Gelehrsamkeit in frühen Zeiten wetteifern; es tritt erst reichlich später in den Kreis der Geschichte der Juden ein. In den Chroniken wird der jüd. Gemeinde erst im Laufe des dreizehnten Jahrh. Erwähnung getan; aber schon damals muss sie in der Judenheit ein gewisses Ansehen genossen haben, da in einem Respon.sum des hochberühmten Meir voa RüiV.enburg, in einer Anfrage über die Aufbringung der Reichs- Steuer, von den dortigen Gemeindeangehnrigen als von הmeinen Lehrern, den du;eh Edelsinn und Vornehmheit ausgezeichneten Bewohnern Ludl erst ad!6a gesprochen wird, ilaiberstadt war stets eine Statte regen Gemeinsinnes gewesen, als dessen hochedlen Träger wir am Ende des siebzehnten Jahrh. den ebenso gelehrten, wie hochherzigen fh Atadian Isachar Berman, auch Lehrend Lehmann genannt, den San ׳.wo der seiner Glaubensgenossen, als edelherzigen Mäcen und Förderer der Geistestätigkeil kennen lernen. Eine seiner vornchmsten Schöpfungen, die sog. Klaas, bildet bis in die neueste Zeit den Mittelpunkt des intensivsten Studiums der Gesetzeslehre. Eine für die an Grösse vielen alten Gemeinden nachstehende Kehilla