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Jeschurun · 1920-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1920) · p. Seite 108

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
7 (1920)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1920)
Date
1920-01-01
Page
Seite 108 (sequence 108)
Language
German
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108 Die Auslieferungsfrage. Dem Juden, auch dem ungebildeten und niedrigsten, der sonst wohl einmal die Beute der Mission wurde, wird das alles nicht in den Kopf gehen. Er hat nicht so viel von Feindesliebe schwatzen hören, aber im tiefsten Innern schlummert bei jedem das Bewußtsein, daß sein Gott ein Gott der Wahrheit und der Gerechtigkeit ist. Und er fragt: Wo ist hier die Wahrheit, wo die Gerechtigkeit? Und wenn auch nach eurer Meinung ein solcher Jude, weil er nicht immer auf redliche Weise — was ihr so nach eurer Kaufmannsmoral redlich nennt — sein Brot erwirbt, ein großer Gauner und Betrüger ist, vor diesem zum Himmel stinkenden Sumpf von Lüge und Heuchelei hält selbst er seine Nase zu. Nein, wir Juden sind wirklich bessere Menschen. Und auch in der Auslieferungsfrage haben wir im Schulchan Aruch — man denke in diesem Buch, das bekanntermaßen eine Fundstätte für alle Schändlichkeiten ist, wie es der Antisemitismus unter dem Stillschweigen der hoch zivilisierten und kultivierten Menschheit beweist — im Schulchan Aruch haben wir Bestimmungen, die auf ein solches Ansinnen die rechte Antwort geben. Nicht im Namen der Ehre, die sehr häufig für sehr unlautere Dinge bemüht wurde, man denke nur an den Ehrenkodex einer gewissen Kaste, nein, im Namen der Religion und Sittlichkeit.Nach Schulchan Aruch Jore dea § 157,1, muß eine Gemeinschaft, an die ein solches Ansinnen gestellt wird — wenigstens nach einer dort vertretenen Anschauung — den Auszuliefernden mit ihrem Leibe decken, in allen Gliedern den Tod lieber erleiden, als der Forderung nachzukommen, es sei denn, daß der Ausgelieferte nach allgemein menschlichem und göttlichem Rechte des Todes schuldig ist. Und es ist zwar keine strenge Forderung des Religionsgesetzes, aber ein Beweis besonderer Frömmigkeit, wenn man dem Ausliefernden nicht zuredet, sich freiwillig zu stellen. Im Jeruschalim Terumoth VIII,4 wird erzählt: Ulla, der Sohn des Kuschaw, wurde einmal von der Regierung verfolgt. Er entfloh und gelangte nach Lud zu R. Josua,

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