Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 579 (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
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Die moderne Poetisierung des althebräischen Schrifttums. ersieht man aus der Literatur späterer Jahrhunderte. Denn von dem Buche der Jubiläen“, das im zweiten Jahrhundert v. Chr. eine neue Erzählung über die Zeit bis zum Auszug aus Ägypten darbot, wird erzählt, daß die Patriarchen schon die Opfervorschriften beobachtet haben, die im althebräischen Schrifttum erst aus der mosaischen Zeit datiert sind. Also in den älteren Geschichtsbüchern sind die Grenzen der mosaischen und der vormosaischen Zeit nicht ineinander geflossen. Die geschichtliche Erinnerung des alten Israel muß auch darnach sicherer fundamentiert gewesen sein, als manche jetzt meinen. Auf der andern Seite ist es auch nicht u n erklärbar, weshalb das Bild, das vom ägyptischen Aufenthalt Israels und dagegen von der vorhergehenden Erzväterzeit gerade so gestaltet ist, wie es tatsächlich aus den Quellen uns entgegentritt. Ja, es ist nicht unerklärbar, weshalb über den ägyptischen Aufenthalt Israels nur wenig berichtet ist. Denn was noch viel weiter, außer den erwähnten Familienzusammenhängen, konnte an dem Stillleben wichtig sein, das von Israel in der ägyptischen Grenzprovinz geführt wurde? Sollte noch ausfiihrlicher, als es tatsächlich in den Überlieferungen angegeben ist, beschrieben werden, wie die bloß geduldete Existenz Israels unter einem ״neuen“ König1) in ein Leben voll direkter Angriffe und schmählicher Fronarbeit überging? In dieser Zeit kehrte die Volksseele lieber zu den Ereignissen der früheren Tage zurück, und da lagen ja auch die Wurzeln, aus denen eine schönere Zukunft hervorwachsen konnte und sollte. Aber es gibt ja noch einen vierten Hauptgrund, mit dem man die Erzählungen z. B. über die Vorväter Israels aus der Klasse der Geschichtsberichte ausscheiden zu dürfen meint. Dieser vierte Grund wird mit diesen Worten ausgesprochen: ״Die Hauptsache ist und bleibt der poetische Ton dieser Erzählungen“ (Gunkel, S. XII), nämlich der Erzählungen der 1j Dem auf die Hy ksosherr Schaft folgenden einheimischen König (vgl. meinen Genesiskommentar vor 39,1).