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Jeschurun · 1919-11-01 · Heft 11-12 (November 1919) · p. Seite 547

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 11-12 (November 1919)
Date
1919-11-01
Page
Seite 547 (sequence 49)
Language
German
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Die Mischna. 547 sich von ihrer Hände Arbeit. Teils waren sie Handwerker, teils trieben sie Handel; die meisten hatten von den Vätern Feld und Weinberg geerbt und bearbeiteten den Erdboden, um aufs kümmerlichste wenigstens satt zu werden. Manche verkauften auch ihr Vater erbe, um sich der Thora widmen zu können, und die Kaufleute ließen ihr Geschäft vor der Thora zurücktreten. Der Tanna, der sich tags als Schuster mit Flickarbeiten abquälte, um sein Brot zu verdienen, oder als Köhler oder Steinmetz, saß die Nächte über die Thora gebückt; doch waren die Tannaiten zugleich Männer des praktischen Lebens und Weltmenschen, sie wußten für ihren Lebensbedarf zu sorgen, das gemeine Wohl wahrzunehmen und dem Volke Führer zu sein, Schwert und Pflug zu führen und allen Anforderungen des Lebens zu genügen. Im Lehrhaus entwickelten sich die individuellen Charakterzüge der Gelehrten und Jünger. Obwohl das Schwergewicht ihrer Tätigkeit darin lag, die Überlieferung zu wiederholen, so besaßen sie doch eine ausgeprägte Persönlichkeit. Schon zu jener Zeit wurden markante Züge bei ihnen wahrgenommen, die man durch schöne Gleichnisse zeichnen konnte: ״eine gekalkte Zisterne, die keinen Tropfen verloren gehen läßt,״ ״ein stets feuchtes Beet in der Wüste“, ״ein übersprudelnder Quell\ ״der Haufe der rollenden Nüsse“, ״die Gewürzbüchse“, ״der verzauberte Schatz“, ״die Balsamphiole“1). Auch die Eigenschäften der Schüler wurden in Gleichnisse gefaßt: ״Schwamm und Trichter, Sieb und Seihtuch; der Schwamm saugt alles auf, bei dem Trichter geht es zur einen Seite hinein und zur anderen hinaus, das Sieb läßt den Wein fort und behält die Hefe, und das Seihtuch läßt den Mehlstaub heraus und hehält das Feinmehl“2). Überhaupt waren die Zeiten der Tannaiten reich an starken, aus einem Stück gehauenen Individualitäten, deren Leben so groß war wie ihre Thora. Ihre Seele ist in den Folianten geborgen, die uns erhalten sind, und wer deren 1J Aboth II 8. Aboth d’Rabbi Nathan XVHX *) Aboth V 15.

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