Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1919)
- Date
- 1919-11-01
- Page
- Seite 505 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Erzielmngsfragen. 505 willen, die Juden heißen und sein wollen, müssen wir anders als in den letzten Jahrzehnten denken und sprechen. Und da hilft nur das eine: alles, was das Alter in Gruppen sprengt und Parteien sondert, muß unbetont bleiben oder doch nicht in den Vordergrund gerückt werden. Soll es nicht mögflch sein, daß man Liebe zur Thora, Hingabe an das Volk und Sehnsucht zum Lande in empfängliche, geöffnete Herzen pflanzt und solange als möglich die von der Zeit diktierten Sonderbestrebungen zurücktreten läßt? Auch ich fordere die Wirkung eines Milieus wie die Organisationen. Aber ich möchte, daß Elternhaus und Schule, die nie so politisch und haßerweckend werden, die Pflicht der Wegweisung übernehmen. Wenn der Jüngling heranwächst, mag er selbst entscheiden, in welchem Verband er wirken will. — Ihr fürchtet, er könnte falsch wählen? Wenn Ihr nicht mehr Vertrauen zu Euch und Euren Lehrern habt, dann ist freilich Eure Angst begreiflich. Dann aber erwartet auch nicht viel von den Notbehelfen. Denn trotz alledem ist das Elternhaus eine Atmosphäre, die dem Kind sehr zuträglich ist, und es muß schon ein minderwertiges Haus oder ein über das Maß hinausragendes Kind sein, wenn nicht Segen aus dem liebenden Sich verstehen zwischen Eltern und Kindern ersprießen kann. Mich hat es immer ergriffen, wie Rousseau seinen Emil erzieht. Wie er die vielen Konflikte und Zusammenstöße, die das Leben bringt, möglichst hinausschiebt oder doch in einer zuträglichen Eorm an Emil herantreten läßt, um erst den gefestigen Menschen die volle Belastungsprobe fühlen zu lassen. Freilich, das Ganze ist Dichtung, eine überaus versöhnliehe dazu, die alles harmonisch ausklingen läßt. Selbst in besseren Zeiten, als es die unsere ist, ist die Wahrscheinlichkeit gering, daß alles einen so guten Ausgang nimmt. Aber man vergesse darüber nicht den Wert, der solcher Dichtung innewohnt. Man kann sich den darin aufgestellten Forderungen nähern und so zu einem Erfolg gelangen. Für die Generationen, die wie wir in den Zentren west- und mitteleuropäischer Kultur aufwachsen, ist freilich die idyllische