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Jeschurun · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1919) · p. Seite 428

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1919)
Date
1919-07-01
Page
Seite 428 (sequence 106)
Language
German
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428 Zu dem Artikel des Herrn Dr. Frankl. langen wirklich zur Anwendung kommen konnten, 80 hat hier R. Jochanan ben Sakkai wohl nur einen schon bestehenden Gebrauch anerkannt, wie etwa später Rabbenu Gr erschein mit seinen Tekanot. Und macht er sonst etwa den Eindruck eines mit dem halakhischen Gute ubermensch-artig verfahrenden Tannaiten? Er entlarvt einen sadduzäischen Hohenpriester (oder einen, der sich dafür ausgibt), der die Parah verbrennen will; es ist ihm wichtig, festzustellen, in was für Gewändern der Priester die Parahhandlung vornehmen müsse. In Schekalim trägt ihm Ben Bikhri die Satzung vor, daß Priester den Schekel zahlen dürfen; nach R׳. Jochanan ben Sakkai ist dies ein Muß, dem sich die Priester nur zu Unrecht entziehen; in Sabbath sind an zwei Stellen Dinge gestattet, deren Notwendigkeit in Zweifel gezogen werden könnte (XVI7, XXII8); trotzdem es sich hier um ekelhafte oder gefährliche Dinge handelt, sagt Jochanan ben Sakkai: Ich befürchte, daß hier ein Sündopfer nötig wird. Und Kelim II2 steht er auch nicht erleichternd da. Das. XVII16 handelt es sich um Gegenstände, welche unrein sind und demnach einer Entscheidung bedürfen; aber sie dienen in all den Fällen, die hier angegeben sind, der Hinterziehung. Da ruft er: ״Wehe, wenn ich schweige, wehe, wenn ich rede!“ Hier zeigt sich sein Schmerz darüber, daß er den zweifelhaften Fall nicht mit freiem Herzen vornehmen kann. Und daß er nicht den geringsten Bissen außerhalb der Laubhütte zu sich nehmen will, ist von der Gemara als Erschwerung erklärt, die er sich weit über das Gesetz hinaus aufgelegt hat. Vielleicht haben seine Agadot ihm den Ruf des Gegensatzes zur Ueberlieferung zugezogen? Daß er von der Wertschätzung der Arbeit spricht? Daß das Ohr, das dem Gebote der Ehrlichkeit und der Freiheifcsliebe nicht gelauscht und gehorcht hat, durchbohrt wird? Daß der Altar, der Friedebringer und Verlängerer des Lebens, vom Eisen verschont werden muß, wievielmehr die Menschheit von dem Schwerte? Daß auch Fürsten nicht jenseits von gut und böse stehen dürfen? Diese und ähnliche Grundsätze hat man gewöhnlich den Erhaltern des Alten abgesprochen, als wenn durch solche Erklärungen, durch sinnbildliche Deutungen, der tatsächlichen Gesetzesausführuog ein Hindernis sich entgegenstelle. Und dabei ist von Philo bis zu den Maggidim des 18. Jahrhunderts das stets im Judentum geschehen, und alle Midraschim legen Zeugnis dafür ab. Man muß also zugeben, wer das Judentum in verdünnendem Sinne hätte umwandeln wollen, hätte ganz umgekehrt handeln müssen, wie wir es hier bei Jochanan ben Sakkai sehen, und es bedarf sehr starker Umdeutungen der Beweisstellen, um aus ihm einen Bannerträger neuernder Bestrebungen zu machen. Was ich hier ausspreche, ist nur •ine Bestätigung des im Namen der Doroth von Herrn Dr. Frankl in anregender Weise Angeführten, wobei er ja nur eine berechtigte Auswahl vorgenommen hat. Ich will mich nicht weiter ausdehnen, nur hier noch auf die Behaudlung hinweisen, welche ich den Bet Hillel und Beth Schammai und den R. Elieser und R. Josua gewidmet habe, gleichfalls mit dem Bestreben, die landläufigen Schlagwörter über ihre Richtungen zu beseitigen. Es muß immer von neuem darauf hingewiesen werden, daß gerade im Namen der Geschichte und ihrer Wissenschaft eine genauere Prüfung halakhischer Einzelheiten von Fall zu Fall nötig ist, statt der allgemeinen Urteile, die dann von Lehrbuch zu Lehrbuch wandern. Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal-Berlin. Verantwortlicher Redakteur Dr. J. Wohlgemuth, Berlin. Verlag des Jeschurun, Berlin. Druck von Max Schmersow, Kirchhain N.-L.

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