Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1919)
- Date
- 1919-07-01
- Page
- Seite 415 (sequence 93)
- Language
- German
- Belongs to
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Die legitime und die sogenannte ,Volksreligion״ Israels. 4!5 Wenn man aber neuerdings für die zur sogenannten Yolksreligion Altisraels abfallenden Teile dieses Volkes Partei nimmt, so ist das ferner auch unter dem Gesichtspunkt des allgemeinmenschlichen Kulturfortschritts nicht richtig. Denn es ist zwar erklärlich, daß in der Zeit der politischen Hegemonie der östlichen Weltmächte über Palästina die Könige Ahas und Manasse sich dem assyrisch-babylonischen Kult der Gestirne hingaben (GAT Bei. 416. 418), aber es war trotzdem nicht richtig. Freilich sagt man zugunsten Manasses, daß er es ״nur für unbedenklich und heilsam hielt, neben dem Nationalgott auch andere Götter zu verehren, die sich als mächtig und, sei es als hilfreich, sei es als gefährlich erwiesen“ (Ed. Meyer a. a. 0., S. 50). Aber dies heißt erstens, die Pflich^ der Treue verkennen, die ein Volk gegen seinen alten Rettergott und gegen das darauf gerichtete Prinzip der Allein- Verehrung dieses Gottes besitzt, und zweitens heißt es auch, den geistesgeschichtlichen Fortschr' ״t der Menschheit vergessen, der im Siege des Monotheismus über Vielgötterei liegt1). Das religiöse Verhalten von Fürsten, wie Manasse, ist also von den Herolden der mosaisch-prophetischen Religion mit Recht beklagt und als Untreue getadelt worden, und wenn Geschichtsschreiber Israels dieses Verhalten als Greuel und Sünde bezeichneten, so soll man solche Ausdrücke *) In dem Artikel ,Manasse״ in der Prot. Kealenzyklopädie, 3. Aufl., Bd. XH, S. 15 schreibt Kittel: ״Das Altertum mißt die Macht und Geltung der Götter vielfach an dem Maßstab der politischen Erfolge der Kation. Hatte JHWH sich auf die Dauer doch nicht mächtiger erwiesen als die Götter Assurs — war es da nicht von seihst das Richtige, ihm den Laufpaß zu gehen [!] und sich den Göttern des Weltreichs anzuschließen?w — Aber ein solches Verfahren könnte wohl hei Nichtisraeliten erklärlich und entschuldbar sein, da sie eine Naturreligion hatten und wohl oftmals nach dem Schicksal der Nation die Macht ihrer Götter beinaßen. Aber bei Israeliten diese Urteilsweise als natürlich hinzustellen, das ist ein starkes Stück von Verkennung gegenüber dem Ursprung ihrer prophetischen Beligion und dem erkannten Wesen ihres ewigen und getreuen Gottes. Man blicke doch nur auf Männer wie Samuel (I. Sam. 7,1 ff•)! Sie hielten auch in Zeiten nationaler Not den Gott der Väter und Propheten fest.