Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1919) · p. Seite 344

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1919)
Date
1919-07-01
Page
Seite 344 (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2292929-2292989-2292993--03640-2296919
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

344 Palästina im Widerstreit der Großmächte. in Jerusalem einen Tempel zu erbauen. Als dann sein Sohn Kambyses die altbabylonische Tradition des Vordringens nach^ Ägypten wieder aufnahm und Ägypten unterjochte, da zerstörte er die Götzentempel der Ägypter, wie uns schon Herodot berichtet, den Tempel der Juden auf Elephantine aber verschonte er, wie wir jetzt durch neu aufgefundene Urkunden erfahren. So finden wir es begreiflich, daß, als wieder 200 Jahre später neue Eroberer ihren Euß auf Palästinas Erde setzten, als Alexander der Große vqn Mazedonien Asien zu unterjochen sich anschickte, die Juden der persischen Herrschaft Treue bewahrten und die Stadt Tyrus während der siebenmonatlichen Belagerung durch Alexander von der Landseite aus verproviantierten. Sie hätten sich fast den Zorn Alexanders zugezogen. Aber Alexander ließ sich besänftigen und war den Juden ein gerechter, duldsamer Herrscher, dem die Juden dadurch ihre Dankbarkeit bezeugten, daß sie allen in jenem Jahre geborenen Söhnen den Namen Alexander gaben. Alexanders Reich bestand nur bis zu seinem Tod. Die Kämpfe um sein Erbe spielten sich zum Teil auch auf palästinensischem Boden ab; so im Jahre 312 die Schlacht bei Gaza. Das jüdische Land erfuhr ein wechselreiches Schicksal. Dem Reiche der Syrer-Seleukiden zugeteilt, wurde es von den neuen Beherrschern Ägyptens, den Ptolemäern, bald erobert und blieb nun 100 Jahre unter ägyptischer Herrschaft, um alsdann wieder den Syrern, den Seleukiden, anheimzufallen. Für die Geschichte der Menschheit ist diese ägyptische Periode vielleicht eine der allerwichtigsten. Denn auf dem Boden Ägyptens erstand ein neues, mit dem griechischen Geist vermähltes, jüdisches Kulturleben mit einer eigenen und eigenartigen Literatur, deren Erzeugnisse, eine Synthese des griechischen und jüdischen Geistes, in griechischer Sprache geschrieben, den Boden vorbereiteten sowohl für eine jüdische Religionspropaganda, wie später ganz besonders für die christliche Mission unter den Heiden. Die erste Weltsprache* in die die Bibel übersetzt wurde, war die griechische, und diese Übersetzung erwuchs auf ägyptischem Boden. Der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.