Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 303 (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
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Die legitime und die sogenannte ״Volksreligion״ Israels. 303 hintergrunde stehen zu dürfen. Zweitens die Überzeugung von der Existenz eines welterhabenen, nicht aus dem Weltprozeß hervorgegangenen und nicht in ihm verschlungenen, der bestehenden Welt souverän gegenüberstehenden Geistwesens. Auch dadurch stand Israels Gottesauffassung im geraden Gegensätze zur Meinung der Babylonier, wie sie z. B. aus deren Schöpfungsepos herausklingt: ״Als oben der Himmel noch nicht genannt war, als Apsü und Tiämat ihre Wasser in eins mischten, da wurden die Götter gebildet.“ Der dritte Gedanke ist der des Monotheismus, der mindestens keimartig in der schließlichen universalen Bestimmung der mit Abraham beginnenden Erlösungsreligion (1. Mos. 12, Bb) lag. Also das dritte Moment war Erhabenheit über Vielgötterei, Götterzank, Götterbuhlschaften1). Dazu tritt viertens die Idee der Geistigkeit Gottes, wie denn zunächst in der Geschichte Abrahams keine Spur von einem Gottesbild erwähnt ist, und die Vermeidung der Götterbilder im Zehngebot als zweites Prinzip auftritt2). Der fünfte Faktor ist die Heiligkeit Gottes, d. h. seine Erhabenheit über alles Profane und hauptsächlich das Unmoralische. Welches Lichtbild gegenüber den babylonischen Göttern, von denen es im Schöpfungsepos, Tafel III, Zeile 135—37 heißt: ״Der süße Most verwirrte ihre Sinne; sie wurden vom Trinken berauscht, ihr Körper übervoll; sie wurden sehr erregt, ihre Leber hob sich.“ Sechtens zeigt sich an dieser Beligion tiefstes Gefühl für den Zusammenhang von Menschenschuld und Menschenelend (1. Mos. 3, lff.). Es ist doch sehr auffallend, daß die babylonische Literatur keine Parallele zur ף Nur Ignorantismus kann diese Eigenart der altisraelitischen Beligion verkennen und sie der babylonischen und ägygtischen Beligion nachstellen. .So geschieht es wieder in Fritsches Buch ״Der falsche Gott“ (neue Auflage von ״Beweismaterial gegen J_e“; 1916), S. 83f., aber ohne daß die hier erwähnten Tatsachen in Betracht gezogen worden wären. 2) Als echtmosaisch allen neuesten Einwänden gegenüber in meiner *Geschichte der alttestl. Beligion“ (= GAT Bel.) 1915, 255—76 verteidigt.