Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 301 (sequence 79)
- Language
- German
- Belongs to
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Die legitime ־und die sogenannte ״Volksreligion״ Israels. 301 z. B. auch Ed. Meyer in seiner Geschichte des Altertums, annehmen. Schon wegen des einzigen hier gegebenen Beweises darf deshalb auch dies mit Buhe behauptet werden, daß die Prinzipien der alten wahren Religion Israels in folgenden Abschnitten der Tora richtig überliefert worden sind: im Dekalog von 2. Mos. 20, 2—17, im Bundesbuch von 20, 23—23. 33 usw. Diese ältesten Zeugnisse über die patriarchalisch-mosaische Religion bildeten den Rechtstitel für die Existenz der legitimen Religion und den Maßstab für die Lehren und Zeremonien, die in Israel zu der rechtmäßigen Religion gerechnet werden durften. Aber das Ideal der von den Vätern ererbten wahren Religion war nicht bloß in diesen Gesetzen verkörpert. Es lebte auch in den Geistern vieler Vertreter der nachmosaischen Generationen. Welchen deutlichen Beleg gibt schon z. B. die Tatsache, daß Gideon die ihm angebotene erbliche Eürstenwürde abgelehnt hat (Rieht. 8,23)! Er kannte gar wohl das Grundgesetz, daß ״der Ewige Israels König sein soll immer und ewig,“ wie es aus dem Triumphgesang heraustönt, den das aus Not und Tod befreite Volk anstimmte (2. Mos. 15, 18). Aber noch unmittelbarer muß folgende Tatsache auf uns wirken. Als der greise Richter Eli die Kunde vernahm, daß die Bundeslade in die Hände der Philister gefallen war, fiel er rücklings vom Stuhle und gab seinen Geist auf. Und wie treu auch besonders in Israel die Frauenseele ihr schönstes Amt, das Herdfeuer der Religion zu schüren, verwaltet hat, das hat sich wohl bei niemand in ergreifenderer Weise gezeigt, als bei jener Schwiegertochter des eben erwähnten Richters Eli. Denn als sie hörte, daß ״die Lade Gottes genommen, dazu ihr Schwager und ihr Mann tot wäre,“ da wußte sie für den Sohn, dem sie damals sterbend das Leben gab, keinen anderen Namen, als Ikabod ״Nicht-Ehre“ oder ״Schande“. Denn sie sagte: ״Die Herrlichkeit ist von Israel weggenommen, weil die Lade Gottes genommen ist.“ (1. Sam. 4,22). So lebendig also war in vielen Seelen jener alten Geschlechter Israels das Bewußtsein, in der von den Vätern