Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1919)
- Date
- 1919-05-01
- Page
- Seite 281 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2292929-2292989-2292992--03574-2296852- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Mischna Sabim V, 12 historiscb begründet. 281 im reinen Wasser, wie unser Fragment ihn Jesus in den Mund legt, der soweit geht, daß er um Bad und auch die Waschung die für viele als für die Reinigung gemeinsam wirkend galten recht verächtlich zu machen, diese mit der vergleicht, die Dirnen vornehm, um sich schön zu machen1). So ist uns nun durch den glücklichen Fund eines Pergamentblättehens in den historischen Hintergrund der erwähnten Verordnung ein Blick eröffnet worden. Nicht kleinliche Grübelei oder Sucht nach Maßregelungen hat die erwähnte Verordnung entstehen lassen, es war bittere Notwendigkeit bei dem ersten Schritt einzugreifen, der an der Tradition rüttelte; und hier handelte es sich um nichts weniger. Wir würden in Beurteilung mancher Bestimmungen unserer Weisen vorsichtiger sein, wenn wir die Umstände, unter denen sie entstanden sind, kennen würden. Freuen wir uns, daß nach 1800 Jahren ein Zeuge aus jener Zeit zutage gefördert worden ist, der uns eine Aufklärung über Grund und Notwendigkeit einer Verordnung gegeben hat, die manchem vielleicht als unverständlich erschienen ist. Noch liegen viele Schätze vergraben, deren zu Tage Förderung uns recht vieles deutlich machen würde, was uns in den Anordnungen unserer alten Rabbinen als wunderlich erscheint und bei manchen Urteile hervorgerufen hat, die mehr als nicht schön sind. Warten wir ab und seien wir besonnen, wir werden immer mehr erkennen, daß unsere Weisen die wahren Treuhänder נ) Diesen Kampf bestätigen uns auch die Diskussionen, die zwischen Minim (nicht Sadduzäer, die in der Mischna oft mit Minim verwechselt werden) und Rabbaniten über die Reinheitsgesetze gepflogen wurden, in welchen jene zu zeigen bemüht waren, daß sie diese Gesetze besser und folgegerechter ausübten als die Rabbaniten. (Mischna Jadajim IV, 7). Vielleicht soll die Gegenfrage der Rabbinen, wieso die Minim in Flüssen das Reinigungsbad nehmen könnten, die doch über Gräber können ihren Lauf genommen haben, ein Argument gegen ihre Stellungnahme gegen die Tauchbäder, welche sie wegen ihrer Unreinlichkeit verwerfen, bedeuten, und wie wir hier gesehen, werden die Minim mit ihren eigenen Argumenten geschlagen.