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Jeschurun · 1919-03-01 · Heft 3-4 (März 1919) · p. Seite 147

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 3-4 (März 1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 147 (sequence 29)
Language
German
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Die Juden in Rußland und Polen. 147 Chmielnitzki. Aber sie war sicherlich in nicht geringerem Maße durch die starke Hinneigung der Juden des Südwestens nach der Seite des Gemütes hin veranlaßt. Bei ihnen kann man noch heute die Anzahl der jüdischen Männer aus der Zahl der Geigen feststellen, die an den Wänden jüdischer Häuser hängen, und sie haben der Welt einen größeren Prozentsatz musikalischer und anderer künstlerischer Genies geliefert, die dem menschlichen Gemüt Ausdruck und Ge« staltung verliehen haben, als irgend ein anderer Teil der Judenheit. Die tiefe Sehnsucht des Gemütes wurde bei diesen Juden durch die gedanklichen Feinheiten des Talmud, die das Entzücken der übrigen Juden bildeten, unbefriedigt gelassen, und ihr künstlerischer Hang war mit dem bis ins Kleinste vorgeschriebenen, allumfassenden religiösen Pflichtenleben, das nach und nach die Gestalt einer düsteren Askese angenommen hatte, nicht recht vereinbar. Das Studium des Talmud nahm in jenem Teile der Judenheit immer mehr und mehr ab und wurde allmählich das Monopol einer kleinen Zahl von Gelehrten. Die talmudische Logik mit ihrer kühlen und unerbittliehen Vernünftigkeit sagte den südwestlichen Juden nicht zu, deren Herzen überdies noch von den Schrecken wiederhallten, die sie unter den Fäusten der Kosaken erduldet hatten. Nach und nach tat sich ein Abgrund auf zwischen den Wenigen und den Vielen, zwischen dem Talmid Chaeham, dem Gelehrten auf der einen Seite, und dem Am Haaretz, dem Ungelehrten auf der anderen Seite, dem Riß nicht unähnlich, der zur Zeit des entstehenden Christentums die Judenheit spaltete. Diese Lage der Dinge barg in sich den Keim gefahrvoUer Folgen für die fernere Entwickelung der polnischen Judenheit und wurde durch die Wendung, die die Ereignisse* unter den Juden außerhalb Polens nahmen, noch verschlimmert. Es ist kein Zufall, daß das Jahr 1648, das den Beginn des großen Umschwungs in der polnisch-jüdischen Geschichte־ bezeichnet, auch das Jahr ist, in dem der Pseudomessias*

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