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Jeschurun · 1919-03-01 · Heft 3-4 (März 1919) · p. Seite 145

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 3-4 (März 1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 145 (sequence 27)
Language
German
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Die Juden in Bußland und Polen. 145 Je mehr die Feindseligkeit der Außenwelt an Heftigkeit und Umfang zunimmt, desto mehr zieht sich der polnische Jude in die schützende Schale seines Innenlebens zurück. Das Talmudstudium wird für ihn eine Art Gasmaske, die ihm ermöglich^ in dumpfiger Luft zu atmen, aber auch bei ihm die Wirkungen einer künstlichen Atmung, unnatürliche Heiterkeit und hohe Anspannung der Nerven, hervorruft. Trotz aller Einflüsse der kabbalistischen Mystik wächst das Verstandesmäßige beim polnischen Juden, wenn man so sagen darf, auf Kosten seines Gemütes. Während in der klassischen Periode der rabbinischen Überlieferung das Wahrzeichen des jüdischen Ideals in dem ״guten Herzen״ erblickt wurde (Sprüche der - Väter II, 13), gilt jetzt dem polnischen Juden als bewundernswürdigste Eigenschaft ״a guter Kopf״ oder ״an offener Moiach״. Diese Überschätzung der Verstandestätigkeit führt zur Streitsucht, Unaufrichtigkeit und zu geistigem Protzentum. Das ist eben das Schicksal jeder Pflanze, die von ihrem Boden losgelöst und ihrer natürlichen Entwickelungsbedingungen beraubt ist. Geistige Wiedergeburt in Litauen. Wohl schlummerten noch ungeheure geistige Kräfte in «der polnischen Judenheit, aber ihre Entwickelung und ihr Niederschlag wurden in ein anderes Flußbett geleitet und schlugen in derselben Zeit eine ganz andere geographische Richtung ein. Aus dem Südwesten, der am grausamsten unter den Verheerungen der Kosaken und ihrer Nachfolger gelitten hatte, wendet sich die polnisch-jüdische Kultur nach dem Nordwesten, nach Weißrußland und besonders nach Litauen, wo sie noch einmal in alter Schönheit emporblüht. Diese Wiedergebürt findet ihre Verkörperung in Rabbi Elia von Wilna (1720—1797), dem die Liebe des Volkes und die Bewunderung der Schüler den ehrwürdigen und lange schon erloschenen Titel eines Gaon verliehen hat, in jener einzigartigen Persönlichkeit, die als die Inkarnation von Thora und Aboda -erscheint, die wie in einem Brennpunkt die ruhmreichen Über-

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