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Jeschurun · 1919-03-01 · Heft 3-4 (März 1919) · p. Seite 126

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 3-4 (März 1919)
Date
1919-03-01
Page
Seite 126 (sequence 8)
Language
German
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126 Sabbatrulie und Freiheit. in Deutschland gezeigt worden sind. Wir kommen gleich im Zusammenhang mit unserem Thema auf diesen Gegenstand zurück und wollen nur erst zeigen, in welchem Zusammenhang auch das Vorstehende mit ihm steht. Ohne Sabbatruhe keine Freiheit, aber ohne Arbeit kein Leben. Um in Freiheit leben zu können, muß der Mensch erst überhaupt leben. Darum beginnt das vierte Gebot nicht mit der Vorschrift der Sabbatruhe, sondern mit der Vorschrift: ״Sechs Tage sollst du arbeiten und dein ganzes Werk verrichten“. Es geht nicht an, daß der Mensch nur sein halbes Werk verrichtet. Die Zeiten, von denen der Dichter von den Menschen singt: ״Sie liebten und taten weiter nichts mehr, die Erde gab alles freiwillig her“ — existierten nur in der Phantasie des Dichters, und wenn heute der A.- und S.-Pat diese Phantasie in die Wirklichkeit übersetzen will, in der Variante: Sie liebten und taten weiter nichts mehr, der AS- Hat gab alles freiwillig her, so stockt das ganze Wirtschaftsleben, und wir können verhungern. Und dann hört alles auf, nicht nur auch die Freiheit, sondern, wie wir’s täglich erleben, die Freiheit zuerst. Erst Arbeit, dann Sabbatruhe! Und wenn die Engländer die Puhetage und Puhehalbtage über ein vernünftiges Maß hinaus vermehren, dann kommt, wie wir es erlebt haben, ganz von selbst die Angst vor dem Wettbewerb derer, die den Nachsatz des vierten Gebotes vielleicht weniger streng beobachten als sie, aber um so strenger den Vordersatz, kommt die Angstvor den Fleißigen, die das Gebot ״sechs Tage sollst du arbeiten und dein ganzes Werk verrichten“ ernst nehmen, und dann kommt in dieser Angst der rettende Gedanke: schlagt sie tot, die Hunnen, die unsre schöne Puhe stören, und wenn sie nicht totzuschlagen sind, laßt sie verhungern!1) Das alles natürlich ״zur höheren Ehre Gottes“. Wir Deutschen haben uns während des Krieges häufig daran ge- ף Siehe: R. E. May: ״Deutschlands Einfuhrbedarf an Nahrungsmitteln״; Deutsche Medizinische Wochenschrift 1919, No. 15.

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