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Jeschurun · 1919-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1919) · p. Seite 66

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
6 (1919)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1919)
Date
1919-01-01
Page
Seite 66 (sequence 68)
Language
German
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66 Über jüdische Geschichtsschreibung. göttlichen Gesetzes anerkannt hat. Ihre Meinungsverschiedenheiten wurzeln lediglich in der Verschiedenheit der Auffassung des von lallen in gleicher Weise unbedingt anerkannten Sinaigesetzes. Wird dagegen die mündliche Lehre als ihr eigenes Werk betrachtet, so sind sie in nichts unterschieden von den Gesetzgebern und Lehrern anderer Völker, deren menschliehe Schwächen und Leidenschaften oft genug auch in ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit zum Ausdruck kommen, und deren Streitigkeiten nicht selten in persönlichem Ehrgeiz ihre Wurzel haben. Nur auf dem ersten Standpunkt kann das charakteristische Wort des Talmud seine Geltung haben: ״ .אלו ואלו דברי אלקים חייםBeide einander entgegengesetzten Meinungen sind Worte des lebendigem Gottes.“ — Oder wenn wir etwa die Persönlichkeit des Maimonides als Beispiel nehmen, den jeder Historiker als׳ eine phänomenale Gestalt, als epochemachend für die Geschichte des Judentums betrachten wird, so werden sich für die Auffassung im einzelnen doch auch hier Verschiedenheiten ergeben. Seine Hauptwerke Mischne Thora und Moreh Nebuchim sind beide zweifellos bewunderungswürdig, und sie haben eine gewaltige Wirkung auf die ganze ,weitere Entwicklung des Judentums ausgeübt. Dennoch werden wir nicht zögern, die Bedeutung dieses Geistesheroen vor allem Sn dem erstelren Werke zu sehen, das die Grundlage für unser ganzes praktisches Judentum geworden ist, während eine andere Betrachtungsweise den Moreh als die wichtigere Erscheinung anzusehen güneigt sein wird. Auch die Beurteilung der talmudischen Koryphäen des späteren Mittelalters wird je nach dem religiösen Standpuhkt eine verschiedene sein. Die Konzentrierung ihrer ganzen Geisteskraft auf den Talmud und seihe Probleme werden wir als fruchtbringend und segensreich für dasJndentum ansehen, wenn wir auch für manche Perioden eine gewisse Einseitigkeit nicht in Abrede stellen werden. Wer dem Talmudstudium überhaupt keine so hervorragende Bedeutung zuerkennt, der wird auch die Tätigkeit jener Männer viel geringer bewerten.

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