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Jeschurun · 1918-08-01 · Heft 8-9 (August 1918) · p. Seite 536

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 8-9 (August 1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 536 (sequence 100)
Language
German
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536 Die Juden in Kußland und Polen. Die Juden in Rußland und Polen. Ein Ausblick aus der Vogelschau auf ihre Geschichte und Kultur. Von Prof. Israel Friedländer-New-York. (Fortsetzung) Kapitel III Die innere Entwickelung der rassisch-polnischen Jadenheit. Wenn man beim Studium der jüdischen Geschichte, ermüdet von den wenig geistanregenden Wechselerscheinungen des äußeren Lehens der Juden, sich anschickt, in das Heiligtum seines geistigen Wesens einzutreten, muß man einen Hauch jenes erleichternden Aufatmens verspüren, den unser großer Lehrer fühlte, als er nach mühseliger Wänderung durch die Wüst6 plötzlich die göttliche Erscheinung inmitten des Dornbusches erblickte. Wir sind durch die traurige Einöde der äußeren jüdischen Geschichte in den Ländern der Slawen gewandert. Wir sahen die Knospen jüdischer Hoffnungen durch die Glut des Hasses versengt oder durch die Stürme der Verfolgungen geknickt. Wir erblickten Israel in der Gestalt eines reizlosen Dornbusches, verdorrt, entblättert und voller Stacheln, ein echtes Erzeugnis der Wüste. Da plötzlich wandelt sich unsere Hoffnungslosigkeit in Entzücken. Wir sehen ein göttliches Feuer, das aus dem unscheinbaren Busch hervorbricht, seine reizlose Gestalt wunderbar verschönt, und wir hören eine geheimnisvolle Stimme, die uns zuruft: ״Ziehe deine Schuhe von den Füßen, denn die Stelle, auf der du stehst, ist heiliger Boden!“ Zur Charakteristik des polnischen Judentums. Wenn die Geistesgesehicht ”der' JudelT"m”der”Diaspora heiliger Boden ist, weil sie den Triumph der Wenigen über die; Vielen, der Schwachen über die Starken, des Geistes über das Fleisch darstellt, so ist die der russisch-polnischen Judenheit zwiefach heiliger Boden. Denn in Polen und Rußland hat die Kultur des Diaspora-Judentums ihre vollendetste Aus־: prägung gefunden.

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