Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 528 (sequence 92)
- Language
- German
- Belongs to
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528 Die Beschlüsse zu Lod. war R. Akiba? der den Standpunkt ״ גדול תלמודdas Studium ist groß“ verteidigte, worauf dann einstimmig ausgesprochen wurde: ״Groß ist das Studium, weil das Studium zur Tat führe“ und bei Wiederkehr frie^icher Zeiten die durch das Thorastudium gestärkte jüdische Seele der praktischen Betätigung der Gottesgebote zugänglich sein werde. Zum Schluß trug noch R. Jösse hagelili zur Bekräftigung dieser nun fcum Prinzipe erhobenen Ansicht eine schöne Homilie über die besondere Wichtigkeit des Thorastudiums vor42}. Dies ist nun der erste Beschluß von Löd, der ganz aus den Zeit Verhältnissen hervorgegangen und allein durch sie zu erklären ist43). Nicht um eine ״Verinnerlichung der religiösen Vorschriften“ oder ״die Proklamierung des höheren Wertes der Verinnerlichung des geistigen Gehaltes der Lehre“44) handelte es sich hierbei; einer solchen bedurfte das Judentum nicht, wo auf die ״Verinnerlichung“ seit jeher das größte Gewicht gelegt wurde45). Man war sich dessen allgemein bewußt, daß nur das Zusammenwirken beider Momente, des Studiums und der Übung der Thora wahres Judentum schafft. Die Zeitlage 42) Fortsetzung des Berichtes in 1. 2. 8. und 6. (Anm. 40). 43) G-rätz IV 4 429 verlegt die Zeit dieses Beschlusses in die Zeit nach dem Bar-Kochba Krieg. Wie aber weiter unten gezeigt wird, ist dießer Beschluß dem im Abschn. 5 zu behandelnden zeitlich vorangegangen. Letzterer aber war eine Folge der Hinrichtung von Julianus und Pappos, die zu Ende der Tage Trajans (etwa 118) erfolgte. Es ist ferner kaum denkbar, daß während der schrecklichen Verfolgungen unter Hadrian die Weisen in nicht weiter Entfernung von B etter derartige Versammlungen hätten abgehalten. Zu jener Zeit war dieser Beschluß schon längst anerkannt und B. Akiba hat — auf Alles gefaßt — seine Lehrvorträge :ברבים öffentlich abgehalten (Berachot 61b). — Völlig unbegründet ist, was Venetianer in der Schwarz-Festschrift S. 419 über die Zeit des Beschlusses sagt. Die talmudische Tradition, die noch dazu in tannaitischen Quellenschriften erhalten ist, — ist viel zu fest, als daß sie durch eine hingeworfene Hypothese erschüttert werden könnte. 44) Venetianer a. a. O. S. 418, 428. 45) Es ist eben eine Fiktion der protestantischen Theologie, daß das Christentum diese Verinnerlichung herbeigeführt hätte. Es sei auf die wichtige Schrift Eschelbacher’s ״Das Judentum im Urteile der modernen protestantischen Theologie'1907) 4־) verwiesen.