Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1918-08-01 · Heft 8-9 (August 1918) · p. Seite 518

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 8-9 (August 1918)
Date
1918-08-01
Page
Seite 518 (sequence 82)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2292929-2292980-2292986--03082-2296357
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

518 Die Aufgabe der Aguddas-Jissroel. von der polnischen Wirtschaftsweit erstrebt und im wesentliehen erreicht hat, mit dem stillen Hintergedanken, daß in der Einkapselung das jüdische Wirtschaftsleben stranguliert werden könne, anderes entgegenzusetzen, als daß man aus der Not eine Tugend macht und die jüdische Wirtschaft auf sich seihst stellt, in sich konsolidiert. Wesentlich mitsehaffend wären die Auswirkungen des nationalen Bewußtseins, das, wie mir scheint zum Glück, im jüdischen Lager immer mehr erstarkt. Als zweites umschaffendes Moment im modernen Wirtschaffcsleben nannte ich den Sozialismus. Die teilweise als Folge des Boykotts stetig zunehmende Proletarisierung der Ostjuden führt zu fortschreitender Verelendung und wird dadurch, wie oben angeführt, der gefährlichste Feind des Judentums. Und darüber, hinaus lehrt, ebenso wie das Beispiel des Kampfes zwischen Katholizismus - Zentrum und polnischer Sozialdemokratie in Oberschlesien auch sehr vieles, was wir in letzter Zeit aus dem jüdischen Polen gehört haben, wie gefährlich Sozialismus im Bunde mit Nationalismus dem religi- Ösen Gedanken werden kann. Es weist daher alles mit gebieterischer Notwendigkeit daraufhin, daß wir den sozialistischen wie den nationalen Gedanken in den Dienst der Thauroh stellen müssen. Wohl haben Kriegserfahrungen in uns ein starkes Mißtrauen gegen den Staatssozialismus erzeugt. Aber mir scheinen die tiefen Mängel, die sich ergeben, zu liegen 1. in der Kompromißnatur der Kriegsgemeinwirtschaft, 2. in der künstlichen Aufoktroyierung derselben und 3. und vor allem daran, daß sie anstatt alle Wirtschaftskräfte zu erfassen, die einen zugunsten .der anderen vernachlässigt. Der letzte scheint mir der schwerwiegendste Irrtum zu sein. Denn bei allen gemeinwirtschaftlichen Maßnahmen, wie ich sie vorschlagen will, muß als oberster Grundsatz festgehalten werden, daß ein jeder in dieselben Einbezogene im vollsten Maße an ihnen interessiert ist. Zunächst jedoch ein paar Schlaglichter auf die Wirtschaftliehen Verhältnisse im Bayon, da auch eine nur allgemeinste

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.