Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1918)
- Date
- 1918-08-01
- Page
- Seite 461 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Zionismus, Nationaljudentum und gesetzestreues Judentum. 461 nisten verließen ein sicheres Brot, um das kärgliche und zweifelhafte in Palästina dafür einzutauschen. Männer der mannigfachen höheren Berufe haben ihrer ganzen Karriere entsagt, um Pioniere auf dem steinigen, aber heißgeliebten Boden Palästinas zu werden. Was vermögen wir dem gegenüberzustellen? Eine sehr kleine Schar von Idealisten, die gerade weil sie aus der Art schlagen, nicht hoch genug gerühmt werden können, aber leider nur Ausnahmen sind. Nicht als ob der Idealismus im gesetzestreuen Judentum Deutschlands keine Stätte gefunden. Vielleicht mehr als in irgendeiner anderen Gruppe. Aber Zion ist leer ausgegangen, für das heilige Land wird das letzte Opfer nicht gebracht. Beispiele beweisen nicht, aber sie erläutern. Da kam einer unserer Besten, nachdem er drei Jahre dort unten gewirkt, wieder in die Heimat. Aber sein Wunsch, wieder nach Erez Jisroel zurückzukehren und das auf die Dauer, begegnete auch in seiner Verwandtschaft, die in Gesinnung und Tat als die Blüte des gesetzestreuen Judentums in Deutschland angesprochen werden kann, einem ungläubigen Staunen. Man geht einmal dorthin! man macht sich dort nützlich! Aber Eltern und Geschwister, seinen Familienkreis in Deutschland verlassen, um solcher Ideen, das kann nur ein Phantast, ein überspannter Idealist! Und dürfen wir uns wundern? Gilt nicht Jehuda Halevfs Wort im Kusari, daß unser Gebet um Zion dem Plappern des Staares gliche, von uns im eigentlichsten Sinne? 0, wir kämpfen wacker, wenn es gilt, die Wörter im Gebetbuch vor dem Zugriff der Reformer zu retten. Aber sind es uns mehr als Wörter, sind es uns sinnvolle Worte, lebendige Begriffe, Quellen der Erhebung, Ausdrucksformen einer ungestillten Sehnsucht?! Nein, sage ich und jeder ehrliche Beurteiler, der nicht durch die Parteibrille, die auch schon bei uns leider im Schwange ist, sieht, wird in das Nein einstimmen. Ach, es bedarf ja nur eines Vergleiches unseres neunten Ab mit einem im Osten. Auch bei uns .das Fehlen des Vorhangs, das Dunkel des Raumes, bei den Kundigen auch das Fehlen des Grußes