Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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404 Die Juden in!Rußland und Polen. Schulpolitik Alexander II., war, soweit sie die Juden betraf, einzig und allein von diesem Beweggründe geleitet, und die wirtschaftlichen und politischen Freiheiten, die er gewährte, Freiheiten, die nur einer dünnen Schicht an der Oberfläche der russischen Judenheit zugute kamen, waren eingestandener־ maßen das Ergebnis dieses Wunsches nach ,.jüdischer Verschmelzung“. Indem Alexander II. den Spuren der Schulpolitik folgte, die sein Vorgänger unter dem Einflüsse von Uwarow vorgezeichnet hatte, bestimmte er im Jahre 1855, kurz nach seiner Thronbesteigung, daß nach einer Karenzzeit von zwanzig Jahren nur solche jüdischen Rabbiner und Lehrer zu diesen Ämtern zugelassen werden sollten, die ihre Ausbildung an den vom Staate eingerichteten Rabbinerseminarien oder an einer andern weltlichen Anstalt genossen hatten. Im Jahre 1856 wurde eine strenge Regierungsaufsicht über die ״Chedarim“ und die ״Melamdim“ (Elementarschulen und Elementarlehrer) eingesetzt; diese Maßregeln sollten ״den verderblichen Einfluß des Talmuds“ brechen. Selbst der kleinliche Kampf gegen den traditionellen jüdischen ״Kaftan“ und die jüdischen Schläfenlöckchen wurde nicht vergessen. Denn da sie die Augen des Zaren auf einem seiner Besuche in Polen beleidigt hatten, wurden sie von den russischen Beamten mit größerer Strenge als je abgeschnitten, als wenn die jüdischen ״Peies“ allein Schuld an dem russischen Unglück gewesen wären. Alexanders wirtschaftliche Gesetzgebung war, wie schon oben bemerkt, so weit sie die Juden betraf, von der gleichen Verschmelzungspolitik geleitet. Sie folgte sklavisch einem Berichte der ״Jüdischen Kommission“, die dem Zaren vorstellte, daß die Verschmelzung der Juden durch ihre schrecklichen Laster verhindert würde. Wir haben bereits gesehen, daß Alexander mit der gleichen abergläubischen Scheu wie seine Vorgänger an dem jüdischen Ansiedelungsrayon festhielt. Aber um einen Anreiz zur Verschmelzung zu geben, wurde beschlossen, einige wenige Klassen unter den Juden auszuwählen, denen das verbotene Innere des Reiches geöffnet werden sollte. Nach