Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1918)
- Date
- 1918-07-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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396 Der G-ott der Rache. gegen die Missetäter? Wäre Gott nicht meine Hilfe — wie bald deckte Grabesstille meine Seele! Wenn ich dachte: mein Fuß wankt — hat deine Gnade, 0 Gott, mich gestützt; und bei den vielen Sorgen in meiner Brust liebkoste deine Tröstung meine Seele. Hat Gemeinschaft mit dir der Richterstuhl des Verderbens, der Unheil schafft in gesetzlicher Form? Und wenn sie sich scharen wider die Seele des Gerechten und verdämmen unschuldiges Blut: der Ewige ist meine Burg, und mein Gott der Fels meiner Zuflucht; er vergilt ihnen ihren Frevel und in ihrer Bosheit rafft er sie hin — ja, er rafft sie hin, der Ewige, unser Gott!“ Ich habe den Psalm wörtlich übersetzt, nur hier und da eine Anspielung etwas verdeutlicht. Die Situation, die ihm zugrunde liegt, ist klar. Keine bestimmte Spur weist, wie bei anderen Psalmen, auf persönliche Verletzung des Dichters, aus der sich ein Rachegedanke hätte ergeben können: nach dem Schluß scheint es, daß unser Sänger von der ungerechten Herrschaft Mißhandlungen zwar zu fürchten, jedoch noch nicht erfahren hat. Aber allerdings bildet persönliches Leid den Erlebnisgrund des Gebetes; ich glaube nicht (wie Hirsch und Baethgen), daß auch dieser Dichter nur im Namen der Gemein de sprechen will. Ihn selbst bewegt es, daß die Rechtlosen vergewaltigt werden (Vers 5 f.); daß dies unter Mißbrauch der Rechtsformen (עלי הק Vers 20) geschieht, macht das Unrecht nur noch schlimmer. Und vollkommen unerträglich ist, daß der Justizmord sich sicher glaubt vor der Strafe des Allsehenden. ״Es spricht der Tor in seinem Herzen: es ist kein Gott“ (Psalm 15,1); das ist kein Bekenntnis zu dem, was wir Atheismus nennen, der einer spekulativ unberührten Zeit natürlich fern lag, sondern, wie es der Targum auch auffaßt, der kecke Hohn: es gibt keine göttliche Weltregierung, die mich strafen könnte. Solche Spötter kennt auch der Psalmist. Daß sie ״Toren“ sind, liegt auch für ihn auf der Hand. Der Bildner des Auges sollte nicht sehen, der Spender der menschlichen Vernunft den Frevler nicht durchschauen?! Und hat nicht der Dichter den Trost und die Liebe