Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 94)
- Language
- German
- Belongs to
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350 Die Juden in Rußland und Polen. — eine Ausflucht, mit der schon manch einer seit Hamans Zeiten seine moderne Bildung mit seinen mittelalterlichen Anschauungen auszugleichen versucht hat. Er weigerte sich infolgedessen, der Anregung des Staatsrates Folge zu leisten, das Edikt seines Vorgängers, das solche Anklagen unmöglich machte, von neuem zu veröffentlichen. Der Ritualmordfäll von Saratow, der das Ende der Regierung Nikolaus* ״krönte״, war weniger verwickelt. Diesmal wurde die übliche Anklage gegen eine Handvoll Juden erhoben, die in dieser Stadt Mittelrußlands wohnten. Schließlich bestimmte Nikolaus gegen Ende seiner Regierung (im Jahre 1854) die Einsetzung eines Ausschusses, der nicht nur dieses spezielle Verbrechen untersuchen, sondern auch ״in die Glaubenssätze des jüdischen religiösen Fanatismus eindringen sollte״. Der angebliche Anstifter der Mordtat, ein gewisser Juschkewitsch, wurde im Jahre 1860 während der Regierungszeit Alexander II. zu lebenslänglicher Verbannung verurteilt, jedoch im Jahre 1867 auf die Fürbitte von Cremieux, dem damaligen Vorsitzenden der Alliance israelite universelle, begnadigt. Wirtschaftlicher Druck. Wir wenden uns jetzt wieder zu der weniger schwankenden Politik des Zaren Nikolaus, bei der wir am passendsten, entsprechend unserem bisherigen Einteilungsprinzip zuerst die Maßnahmen behandeln, die sich gegen die wirtschaftliche Wohlfahrt der Juden richteten und dann die. die auf ihren geistigen Untergang abzielten. Die Politik der wirtschaftlichen Abschnürung bewegte sich in dem gewohnten Geleise der russischen Autokratie. Die vollkommene Abschließung des russischen Gebietes gegen das Eindringen der Juden wurde mit allem Nachdruck von neuem betont. Als im Jahre 1835 der Staatsrat den Antrag, jüdische Kaufleute der ersten Gilde im Innern Rußlands zuzulassen, in Erwägung zog, setzte der Zar darunter den kurzen Vermerk: ״Diese Frage ist bereits von Peter dem Großen entschieden.