Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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332 Jüdisch-Deutsch und Hebräisch. Jüdisch-Deutsch oder Hebräisch? l) von Dr. I. Engel, Jaffa. Im 11. Heft des vierten Jahrgangs des vJeschurun“ behandelt Herr Rabbiner D1*. Unna in einem bemerkenswerten Aufsätze das Problem der nationalen Erziehung. Die Bedeutung, welche diesen Ausführungen vermöge ihres Ernstes und ihres Inhalts zukommen, verdienen eine besondere Würdigung und Beachtung. Eben darum aber dürfen einige Punkte derselben nicht unerwidert bleiben. Was Herr Dr. Unna in bezug auf die Reform im vorigen Jahrhundert konstatierte, daß die Leugnung der jüdischen Nationalität zur Loslösung vom jüdischen Gesetze und zu ihrem eigenen Untergange führen mußte, ist ebenso wahr wie die Erkenntnis, daß eine einseitige Betonung des jüdischen Nationalismus unter Ausschaltung seines wahren Ideengehaltes den Bestand des Judentums gefährdet. Diese Erkenntnis ist ein ebenso wichtiges Momento für den religionslosen Nationalismus wie die Einsicht, daß der Rückgang des gesetzestreuen Judentums in Westeuropa auf das Fehlen eines nationalen Einschlags in der Erziehung zurückzuführen ist eine ernste Mahnung für die jeglichen Nationalismus ablehnende Orthodoxie bedeutet. Wenn daher einer der bedeutendsten Wortführer der Nationalisten der Erziehung die Aufgabe zuweist, eine Synthese zwischen dem Allgemein-Menschlichen und dem Nationalen herbeizuführen, so fordert Dr. Unna für die wahre jüdische Erziehung, die Ergänzung dieser Synthese durch die Pflege des religiösen Empfindens. Jeder Unbefangene wird diesen Darlegungen beipflichten müssen. Auch wird sich niemand m dem Verfasser der Einsicht verschließen können, daß wir im Interesse unserer eigenen geistigen und moralischen Existenz eine neue Bahn in der Erziehung betreten müssen und zwar in der vom Verfasser vorgezeichneten Richtung. Wenn jedoch Herr Dr. Unna für Rußland und Polen, wo er die Verwirklichung seiner Ideen zunächst für möglich hält, die Einführung des jüdischen Jargons als Unterrichtssprache vorschlägt, so vermögen wir ihm nicht zu folgen, denn die Gründe, die ihm hierfür maßgebend erscheinen, sind, wie wir im Folgenden zeigen werden, nicht stichhaltig. Ist es auch richtig, daß ״Jargon die Muttersprache der jüdischen Massen in Rußland“ ist und daß unsere Volksgenossen im Osten seit Jahrhunderten sich desselben bedienen, so kann man durchaus nicht behaupten, daß er allein als ein Bollwerk gegen die Assimilation wirkt und daher geeignet sei ״dem Kinde die Welt im jüdischen Lichte *) Wir geben diesen Ausführungen Raum, obwohl wir dem Autor in seiner Beurteilung des Jüdisch-Deutschen nicht ganz beipflichten. Vgl. unseren Aufsatz: Zionismus, Nationaljudentüm und gesetzestreues Judentum. Jeschurun V. S. 167 f. — Der Herausgeber.