Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1918)
- Date
- 1918-05-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Zionismus, Nationaljudentum und gesefczestreues Judentum. 265 für das er ja rein theoretisch ist: welche Blüte würde das gesetzestreue Judentum hier erleben, wenn es für das niedere und höhere Schulwesen, für Wirtschaftsfragen, die den Sabbath berühren, für die mannigfachen Formen des kulturellen Lebens autonom wäre. Wie würden wir hier, nachdem wir durch die Schule der großen Verteidiger unseres religiösen Besitzstandes im vorigen Jahrhundert gegangen sind und uns mit dem Geiste des Ostens vertraut gemacht haben, ein wahrhaft jüdisches Geschlecht erstehen sehen. Das für ihn völlig Unannehmbare der Zustände, die wir als selbstverständlich gegeben ansehen, hat ein russischer Raw, sonst durchaus naiven und völlig unpolitischen Charakters, mir gegenüber einmal in dem entrüsteten Ausruf zusammengefaßt: ,,Der Schulrat soll über mein Taure zu sagen haben!״ Das ist’s! Das der Schlüssel, weshalb in jedem besonnenen gesetzestreuen Ostjuden die Forderung nationaler Autonomie mit elementarer Kraft sich geltend macht. Die Forderung nach nationaler Autonomie ist ja an sich noch viel tiefer begründet, als es in diesem Ausspruch zum Ausdruck kommt. Es handelt sich in vielen Ländern um die Schaffung der vitalsten Daseinsbedingungen. Die Verelendung der Judenheit, schon vor dem Kriege ein furchtbares Problem, droht infolge der wirtschaftlichen Umwälzungen, die der Krieg herbeigeführt, noch größeren Umfang anzunehmen. Und es müßte, wenn die westeuropäische Judenheit die Möglichkeit hat. der Ostjudenheit zu politischen Rechten zu verhelfen, die ihr den Daseinskampf erleichtern, alles angewandt werden, um das größtmögliche Ausmaß von nationaler Autonomie herauszuschlagen. U. E. hat hier das gesetzestreue Judentum Deutschlands nicht das Recht, eigene Wege zu gehen. Es ist nicht befugt, ganz allein aus eigenem Ermessen zu entscheiden, welche Wege eingeschlagen werden müssen, um die rechten Lebensbedingungen für die Ostjudenheit zu schaffen. Darum können wir es nur bedauern, daß die gesetzestreuen Organisationen Deutschlands nicht in die Viod (Vereinigung jüdischer Organisationen Deutschlands), die sich jene Aufgabe gestellt hat, ein-