Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 218 (sequence 86)
- Language
- German
- Belongs to
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218 Wellhausen und der heutige Stand der Bibel Wissenschaft. in einem der kulturgeschichtlichen Wertung Israels äußerst abfälligen Sinne gedeutet worden. Den Zeitgenossen des ״Bibel- und Babelstreites“ ist das Kaiserwort von dem nunmehr ״seines Nimbus entkleideten“ Judentums noch in guter Erinnerung. Jene Erkenntnis aber, ״die Keilschrift für die altisraelitische Tradition“, als Kampfruf formuliert zu haben, ist das trotz mannigfacher Mißgriffe unbestreitbare Verdienst der ״panbabylonistischen“ Schule und ihrer namhaftesten Vertreter. Hommel1), Win ekler2), und — besonders geschätzt durch seine religionsvergleichenden Studien — Jeremias3). Das an der bedeutungsvollen Epoche seines Werdeganges kräftig‘ interessierte Judentum wird diesen Männern dafür Dank wissen, ohne natürlich damit deren zum Teil weit über den Rahmen des Bewiesenen hinaus reichenden Resultate kritiklos zu akzeptieren4). Mit dem Panbabylonismus beginnt eine Um- J) Altisraelitische Überlieferung in inschriftlicher Beleuchtung 1897, welche Schrift den Kampf eröffnete. 2) Von dessen Schriften seien hier genannt: Abraham als Babylonier Josef als Ägypter 1903; Der Alte Orient und die Bibel, Altorientalische Geschichtsauffassung (Ex Oriente Lux II, 1, 2, 1906), Religionsgeschichtlicher und geschichtlicher Orient. 3) Einfluß Babyloniens auf das Verständnis des A. T. (Bibi. Zeit- und Streitfragen 1905); A. T. i. Lichte d. Alten Orients3 1916. Letzteres Werk stellt den Höhepunkt des Panbabylonismus dar und bedeutet ein Kompendium der gesamten Assyriologie und religionsvergleichenden Lehre des Orients, soweit sie für das A. T. in Betracht kommt. Von jüdischen Gelehrten hat sich um die Verwertung des keilschriftlichen Materials und seines Verhältnisses zur außerbiblischen jüdischen Tradition Jampel. Vorgeschichte Israels und seiner Religion 1913, unbestreitbar reich verdient gemacht, obwohl — es kann hier nicht ausführlicher darauf eingegangen werden — er darin entschieden zu weit geht, Kultur und Religion des vormosaischen Israels oder der ursemitischen Periode ohne weiteres denen Babylons gleichzusetzen. Jampel gibt damit dem Begriffe Panbabylonismus eine Ausdehnung, die dessen Urheber längst fallen gelassen haben (vgl. Jeremias, Handbuch d. altorientalischen Geisteskultur S. 7). 4) Dies gilt besonders für Wincklers an Phantasien reiche ״Geschichte Israels“, wo er Personen von Fleisch und Blut wie die Patriarchen in Mythen auflöst. Die widerspruchsvolle Argumentation