Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 216 (sequence 84)
- Language
- German
- Belongs to
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216 Wellbausen und der heutige Stand der Bibel Wissenschaft. liehen Elementen beweist ungewollt das strikte Gegenteil., denn die scharfe Betonung des historischen Moments setzt geradezu eindeutig voraus, daß die Israeliten noch unter dem unmittelbaren Eindruck gewaltiger Ereignisse, denen die Feste ihre Entstehung verdanken und deren ewiges Gedächtnis sie wieder geweiht sind, standen. Diese Antithesen, deren bis in die kleinsten Einzelheiten sorgfältige Begründung Hoffmann in gewohnt exakter Weise sich angelegen sein läßt, bedeuten, wie ersichtlich, eine Erschütterung der Wellhausenschen Theorie in ihren Grundlagen. Aber das Beharrungsvermögen ist auch in der Wissenschaft kein gering zu achtender Faktor: die biblische Altertumskunde, die geschichtliche Theologie hatten sich beeilt, allenthalben auf die literarkritischen Ergebnisse der Wellhausenlehre aufzubauen. Es stand zu viel auf dem Spiel, und dann ״weiß mancher was es heißt, in Deutschland sich gegen die herrschende Lehre auflehnen!“ So ist dem auch von namhaften Vertretern der kritischen Schule gestellten Verlangen, diese solle angesichts der Ausführungen HofFmanns “den Schatz ihrer Argumente revidieren“*), nicht nachgekommen worden, und die methodische Selbstbesinnung der Forschung auf ihre Grundlagen läßt noch heute auf sich warten. Im Interesse des Strebens nach objektiver wissenschaftlicher Wahrheit, welchem Ziel uns Bede und Gegenrede näherbringt, ist es darum tief bedauerlich, daß die Kritik jener A:־ ^uandersetzung bisher beharrlich aus dem Wege gegangen ist. Dafür hörte man die alte Phrase von der ״dogmatischen Befangenheit des Juden, soweit es um die Geschichte seines eigenen Volkes geht“ im allgemeinen und der des ״orthodoxen Juden“ im besonderen. Strömungen anderer Art aber, von denen hier unmittelbar die Rede sein wird, war ein rascherer Erfolg beschieden, und es kann kein Zweifel sein, daß in dem hierdurch angefachten Drang nach Neuorientierung auch das Lebenswerk Hoffmanns neue Früchte bringen wird. ג) Baentsch, Orientalistische Literaturzeitung 1908 Sp. 86, bei der Besprechung von Hoffmanns Kommentar.