Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 195 (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden in Rußland und Polen.!95 Macht Preußens gebrochen hatte, und sich nun gegen die Grenzen Rußlands in Bewegung setzte, das jüdische Synhedrion in Paris berief. Diesen Schritt sah man in Rußland — und die Regierung Österreichs teilte diese Ansicht—, als einen Kunstgriff des listenreichen Korsen an, die dichtgedrängten jüdischen Massen der beiden Reiche für sich zu gewinnen. Ein besonderes Sendschreiben wurde an die Gouverneure des Ansiedlungsrayons gerichtet und ordnete an, jede irgendwie geartete Berührung zwischen den Juden Rußlands und ihren Glaubensgenossen in Frankreich zu unterdrücken. Um das Mißtrauen der orthodoxen Massen der russischen Judenheit zu erwecken, — derselben Massen, die die Verordnung vom Jahre 1804 in den Bannkreis der Aufklärung und dadurch in den Schoß uer griechisch-orthodoxen Kirche locken wollte, — erhielten die Gouverneure genaue Anweisung, unter ihnen das Gerücht zu verbreiten, daß das französische Synhedrion die jüdische Reform begünstige und gefahrvolle Anschlage gegen das überlieferte Judentum in seinem Schoße berge. Es ist für russische Verschlagenheit charakteristisch, daß gleichzeitig der heilige Synod einen Aufruf veröffentlichte, in dem er die griechisch-orthodoxen Russen vor Napoleon warnte, weil er dieses selbe Synhedrion berufen habe, und mit Hilfe der Juden, die bereit wären, ihn als Messias auszurufen, das Christentum zu stürzen beabsichtige. Auf die Vorstellungen des Ministers des Innern hin, der auf die politische Gefahr hinwies, die in der Ausführung einer Maßregel lag, die die jüdische Bevölkerung gegen die Regierung aufsässig machen konnte, entschloß sich Alexander, die Vertreibung aufzuschieben. Er ernannte eine neue Kommission, die im Lichte der militärischen Notwendigkeiten erwägen sollte, ob es ratsam sei, die auf Grund der Verordnung geforderte Vertreibung auszuführen. Zu gleicher Zeit erließ er ein Rundschreiben an die Juden, in Ausdrücken abgefaßt, die uns in der Zusammenstoppelung wohlwollender Redensarten an den mythischen Aufruf erinnern, den der Zar in unseren Tagen an seine ״lieben Juden“ gerichtet hat. ״Von dem Wunsche geleitet, unseren Untertanen im jüdischen Volke einen erhöhten