Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 162 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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162 Zionismus, National] udentum und gesetzestreues Judentum. weshalb hier das jüdische Nationalgefühl so kräftig pulsiert. Hier war die Thora bis vor kurzem noch das Ein und Alles, hier ist man nie auf den Gedanken gekommen, sich als eine Konfession zu konstituieren, hier hat das thoratreue Judentum sich immer als die Mehrheit und darum die Minderheit nie als einen Fremdkörper empfunden. Hier war nicht alles auf den Kampf eingestellt, sondern bei aller Fehde die naive Selbst־ Verständlichkeit eines einheitlichen Wollens und Strebens und darum auch Fühle ns. War die Heroenzeit jenes Kampfes in Deutschland noch immer von dem Klal-Jissroel-Gedanken erfüllt und darum auch im Fühlen mit der großen Masse des osteuropäischen Judentums verbunden — man erinnere sich nur an das, was die H ildesheimer hier bedeuten — so ist bei manchen der Epigonen oft die letzte Spur verwischt. Da hält sich eine ״fromme״ Synagoge ausländerrein, weil die Ästhetik ihres Gottesdienstes leiden könnte. Und einem unserer prächtigsten Jünglinge, der jetzt im besetzten Gebiete als Oberlehrer an jüdischen Kindern Wunder wirkt, erwidert eine ״frommeu Dame auf seine Bemerkung, daß er am liebsten dort weiter wirken möchte, ganz entrüstet: Dann bleiben Sie nur dort, da gehören Sie auch hin! Mit tiefem Schmerz kann ich hier nur dessen gedenken, was gesprochen wurde und was geschehen ist. Aber wir müssen uns selbst den Spiegel Vorhalten, um so recht zu erkennen, wie weit wir von dem jüdisch-nationalen Fühlen uns entfernt und wieviel von uns getan werden muß. um es wieder in ursprünglicher Stärke zu gewinnen. Diese Renaissance geht für uns — nach allem, was wir ausgeführt, braucht es da nicht mehr vieler Worte — nicht ganz auf den gleichen Wegen, die die Vertreter des Nationaljudentums weisen. Wir werden nur dann die alte Kraft unseres und das ist des echt jüdisch-nationalen Fühlens zurückgewinnen, wenn wir uns selbst treu bleiben, wenn wir den ererbten Schatz hervorholen, von dem G. s. d. noch immer ein Rest uns geblieben ist und das im vergangenen Jahrhundert gelockerte Band mit dem thoratreuen Judentum des Ostens wieder fester knüpfen.