Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 160 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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160 Zionismus, Nationaljudentum und gesetzestreues Judentum. einen Gedanken hinaus, daß wir uns als ein Besonderes fühle* müssen, vor allem aber auf die Forderung, daß die Gesamtheit aller Juden eine Einheit bilden muß. daß ein Empfinde* sie alle beseele, ein jeder der Bruder des anderen sei, wie aus gemeinsamen Stamme entsprossen, so einem und demselbe* Ziele hingegeben. Das Nationaljudentum hat es verstanden, dies Nationalgefühl zu einer Intensität zu steigern, von dem man sich kaum eine Vorstellung machen kann. Alle Berichte aus dem Oste* sind darüber einig, daß die Hilfsaktionen, in denen wir unser gutes jüdisches Empfinden zu betätigen glauben, völlig verschwinden gegenüber den Opfern. die die an Bildung. Stand, religiöser Gesinnung dort noch so weit voneinander abstehenden Schichten einander bringen — aus dem nationaljüdischen Fühlen heraus eine einzige Familie zu sein. Und wo West und Ost sich begegnen, da feiern sie eine Verbrüderung, die nichts gemeinsam hat mit dem Begeisterungsrausch internationaler Versammlungen von Partei- und Interesse- Vertretungen. Auch hier eine einzige Familie, deren Glieder sich oft in Feindschaft gegenübertreten, mit einer Erbitterung, wie sie gerade in Familienzwistigkeiten zutage tritt, die aber nie vergessen, daß sie eines Blutes sind, daß ein Stammvater sie gezeugt. Ich weiß, daß die Mittel, die angewandt werden, um das Nationalgefühl zu wecken und zu stärken, um die Erwachsene» zu bestimmen und die Jugend zu gewinnen, nicht immer idealer Natur sind. Ich weiß, daß auch oft die Hoffnung auf die Erzielung wirtschaftlicher Vorteile mitschwingt. Aber nie hätte die jüdisch-nationale Bewegung diesen Umfang angenommen, wenn nicht im Mittelpunkte dies Ideal gestanden, das Ideal der Gemeinbürgschaft aller Juden, die nicht in Worten nur ausgesprochen, sondern in den Tiefen des Gefühlslebens verwurzelt ist. Es ist die tragische Schuld des gesetzestreuen Judentums in Deutschland, daß es in dieser Hinsicht versagt hat. Wie jede tragische Schuld ist auch diese in dem Charakter des Helden gegeben. Er mußte in gegebenem Zeitpunkte 3•