Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1918)
- Date
- 1918-03-01
- Page
- Seite 145 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Zionismus, Nationaljudentum und gesetzestreues Judentum. 145 kal auf alle einander folgenden Geschlechter des Volkes bezogen und horizontal auf alle Glieder eines Geschlechtes. Der Väter Wesen bürgt dafür, daß die Nachkommen nicht aus der Art schlagen, und darum wird bei allem Abfall und aller Entfremdung der späteren Geschlechter immer von Gott des Bundes mit den Vätern gedacht. Aber nicht minder tragen darum auch die Kinder an der Last der Sünden ihrer Ahnen. Das Verdienst einzelner Frommen einer Zeit schützt das ganze Volk vor dem Untergang, aber auch für die Verbrechen ihrer Frevler büßt die Gesamtheit. Tat und Gesinnung des Einzelnen gewinnt so über alles Maß an Bedeutung. Wie auch der Begriff der Erwählung Israels nur eine besondere Formulierung der Idee des ״Verdienstes der Väter“ ist und wie er unter diesem Gesichtspunkt jeden partikularistischen Zug verliert, glaube ich in der erwähnten Abhandlung bewiesen zu haben. Von welchen Gesichtspunkten wir auch die Sache ansehen, wir kommen immer wieder darauf, daß uns dieser Dreiklang das Ganze des Judentums wiedergibt. Das Judentum ist Rationalismus, Mystik und Gesetzlichkeit in engster Verbindung, denn es will den ganzen Menschen in seinem Denken, Fühlen und Wollen. Seine universalistischen Ideen waren bestimmt, Gemeingut der ganzen Menschheit zu werden; die willige Hingäbe an Gott, das Einswerden des in die sterbliche Hülle Gebannten mit dem höchs־ Wesen ist nur dem Einzelnen gegegeben, dessen inneres Erlebnis aus den Gründen einer bis aufs tiefste aufgewühlten Gefühlswelt quillt; und die Erfüllung des göttlichen Willens ist dem Willen eines ganzen Volkes anheimgegeben, das durch diese Erfüllung sich selbst erhält und den Baum des Lebens bildet, an dem die einzelnen Blüten prangen und Früchte reifen, die der Menschheit Freude und Nahrung bieten. VIII. Wir haben versucht, in mannigfachen Wendungen zu sagen, was doch eigentlich für jeden Kenner der jüdischen Geschichte und ihrer Geistesprodukte nicht des Beweises be-