Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1918-03-01 · Heft 3-4 (März 1918) · p. Seite 135

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 3-4 (März 1918)
Date
1918-03-01
Page
Seite 135 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2292929-2292980-2292983--02696-2295968
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zionismus, Nationaljudentum und gesetzestreues Judentum.!35 fochten werden. Wenn bewiesen werden sollte, daß das Judentum nie aufgehört hatte, eine Nation zu sein, so durften das eigene Territorium und die gemeinsame Sprache nicht als Kriterien der Nation gelten. Denn dem Judentum waren diese beiden verloren gegangen. So mußte die Gemeinsamkeit der geschichtlichen Erlebnisse das entscheidende Merkmal sein. Birnbaum wieder, der in den Ostjuden eine auch heute noch durchaus lebendige nationale Gemeinschaft sieht, proklamiert in der jüdisch-deutschen Sprache, als dem Träger und Schöpfer dieser ostjüdischen Kultur das Wesenszeichen seiner ostjüdischen Nation. Bei Herzl war es gar das Bewußtsein von dem gemeinsamen Feind. Und Klatzkin erkennt wieder nur in Territorium und Sprache die einzig möglichen Kriterien des National- Judentums. Also wir wollen nicht unsererseits eine eigene neue Definition geben. Freilich noch aus einem anderen Grunde, weil wir nämlich der Überzeugung sind, daß eine Definition des Begriffes jüdische Nation überhaupt nicht möglich ist. Denn die jüdische Nation ist sui generis בדיה בפני עצמה eine Erscheinung, die ohne jede Analogie ist. Ihr Wesensmerkmale können daher nicht wie bei einer sonst üblichen Definition dadurch festgestellt werden, daß man einen allgemeinen Oberbegriff nennt und diesen .durch besondere Kennzeichen verengert. Doch wir haben hier schon das Eesultat vorweggenommen. Wir wollen das geschichtliche Material, das, wenn auch nicht zu einer Definition, so doch zu einer näheren Kennzeichnung dienen kann, uns vorführen. Wobei vorausgeschickt werden soll: wir wissen wohl, daß wir uns im Sinne aller Beurteiler, die nicht auf dem Standpunkt des gesetzestreuen Judentums stehen, eines Fehlers in der Geschichtsbetrachtung schuldig machen, nämlich den Verlauf der jüdischen Geschichte so anzunehmen, wie er uns in unseren Quellenschriften, auch den biblischen geschildert wird. Ich wüßte keine einzige zionistische oder liberale antizionistische Autorität zu nennen, die bereit wäre, diesen Ausgangspunkt anzuerkennen. Aber 10*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.