Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1918-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1918) · p. Seite 115

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 115 (sequence 115)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2292929-2292980-2292982--02675-2295946
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Mathematik und Apologie. US Die Möglichkeit und der — von vorneherein keineswegs sichere — Erfolg dieses freien mathematischen Schaffens, dann die wunderbaren Gesetzmäßigkeiten und Schönheiten (dieses Wort durchaus im ästhetischen Sinn verstanden), wie sie innerhalb der Reinen Mathematik herrschen, mögen übrigens auch ihren wesentlichen Anteil an der in diesem apologetischen Zusammenhang erwähnenswerten Tatsache haben, daß bis weit in das vorige Jahrhundert hinein die überragendsten Mathematiker fast ausnahmlos religiös gesinnt und strenggläubig waren, eine Tatsache, die an sich schon geeignet ist, manchen durch oberflächliche Gedanken oder Bücher religiös ins Wanken geratenen jungen Menschen zu tieferem Nachdenken anzuregen. Unter den Ausnahmen sind neben z. B. dem später noch zu erwähnenden Laplace vor allem auch die jüdischen mathematischen Größen* 1) seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bemerkenswert, auf die offenbar die Mendelssohns che und nachmendelssohnsche Aufklärung besonders zersetzend gewirkt hat. Zur Begründung jener Behauptuug nenne ich hier nur eine Reihe allererster mathematischer (teilweise auch gleichzeitig philosophischer oder naturwissenschaftlicher) Forscher, wobei ich je eine oder auch einige für die religiöse Überzeugung beweiskräftige Stellen — soweit mir gegenwärtig solche bei der Hand sind — in Anmerkungen beifüge für den Fall, daß einzelne Leser sich für die Weltanschauung des einen oder anderen dieser Geistesheroen besonders interessierten: Kopernikus (1473-1543), Kepler (1571—1630), Descartes (1596—1650), Fermat (160\—1665), Pascal2) (1623—1662), Newton3) Arithmetiker Kronecker (1823-1891) in dem auf der Berliner Naturforscherversammlung 1886 ausgesprochenen Satze aus: „Die ganzen Zahlen hat der liebe Gott gemacht, alles andere ist Menschenwerk. „(Vgl^ Mathemat. Annalen, Bd. 43 (1893), S 16.) 1) Darunter natürlich auch diejenigen jüdischer Geburt oder auch nur rein jüdischer Abkunft verstanden. 2) Vg „Eloge de Pascal“ in Condorcet, Oeuvres (Edit. d’Arago), t. (1847) *) Z. B. Newton, Opera IV (1782), p. 429; Newton. Optice, latine redd. S. Clarke (1740), Quaest. XXXI, p. 327; auch an vielen anderen -Stellen. 8*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.