Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 5 (1918)
- Issue
- Heft 1-2 (Januar 1918)
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 106)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2292980-2292982--02666-2295937- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
io 6 Konfessionelle Militärstatistik. satze, daß nur gleichartige Massen miteinander verglichen werden dürfen, müßte ferner die jüdische Bevölkerung als eine fast ausschließlich städtische mit der städtischen katholischen und protestantischen und ferner die den gleichen Berufskreisen (Handelundlndustrie und freieBerufe) angehörenden Schichten mit einander verglichen werden. Daß die Frage nach der Herkunft und nach den Berufen für die Militärtauglichkeit von wesentlicher Bedeutung ist, braucht nicht hervorgehoben zu werden, doch glauben wir, daß dieser Gesichtspunkt mehr für den Frieden galt, da im Kriege die Ansprüche an die Militärtauglichkeit allgemein auf ein Minimum reduziert wurden.^Nach einer Richtung aber hat die Frage der Militärtauglichkeit auch für den Krieg eine große Bedeutung. Da die Gedienten in der ersten Kriegszeit fast ausschließlich das Kontingent der Kriegsteilnehmer stellten, und die Juden in Friedenszeiten als Städter und vielleicht auch aus anderen Gründen im relativ geringeren Maße als Protestanten und vor allen Dingen als Katholiken dem aktiven Heere angehörten, im Offizierskorps aber überhaupt nicht vertreten waren, müssen die Opfer an Toten uud Verwundeten in den ersten Kriegsmcnaten bei Katholiken und Protestanten ungleich höher sein als bei den Juden. Im Zusammenhänge hiermit sei darauf hingewiesen, daß die höheren Altersklassen, die bei den Juden stärker besetzt sind, viel später zur Ausbildung gelangten, mithin ihr Gefahrenrisiko ein geringeres ist als bei den gleichen Altersklassen der übrigen Bevölkerungsschichten. Dazu kommt, daß sie als Selbständige und Angestellte in vielen wichtigen Handelszweigen tätig, im größeren Ausmaße als Katholiken und Protestanten für die Aufrechterhaltung des Wirtschaftslebens unentbehrlich waren und demzufolge später und in relativ geringerer Zahl eingezogen wurden. Man sieht, daß es nötig ist, einen ganzen Komplex von bevölkerungsmäßigen und wirtschaftlichen Tatsachen zu beherrschen, wenn man sich eine zutreffende Vorstellung von der Beteiligung der deutschen Juden am Kriegsdienste machen will. * * Nicht die Frage nach der Militärtauglichkeit, sondern