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Jeschurun · 1918-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1918) · p. Seite 94

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 94 (sequence 94)
Language
German
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94 Die Juden in Rußland und Polen. geistigen Verankerung loszulösen, indem sie in jeder möglichen Weise sein überkommenes und hochentwickeltes Erziehungssystem lähmte und ihm russische Zivilisation aufzwang — was eben damals russische Zivilisation war. — Maßnahmen, die, wie die Juden instinktiv fühlten, den Keim des Abfalls in sich bargen. Daß die russische Regierung bei der Verfolgung dieser Kulturpolitik nicht von dem Wunsche einer gesetzmäßigen Itussifizierung geleitet war. d. h. von dem Streben, den Juden an das öffentliche Leben des Landes zu fesseln und ihn zu einem Teil und Glied der großen russischen Bürgerschaft zu machen, erhellt aus der Tatsache, daß. wenn der Jude in der Folge seine Fesseln ab warf und aus eigenem Antriebe und mit vollem Eifer anfing, sich für russische Kultur und russische Ideale zu interessieren, ihm auf diesem Wege ein barsches Halt zugerufen wurde: und die Beschränkungen der heutigen russischen Gesetzgebung auf dem Gebiete des Unterrichtes und der Erziehung bilden eines der düstersten Kapitel des russisch-jüdischen Trauerspiels. So hat, sei es auf wirtschaftlichem, sei es auf geistigem Gebiete, die Haltung Rußlands den Juden gegenüber nur das eine Ziel: die vollständige Vernichtung des Judentums. Die Einschnürung des Juden durch Absonderung der Wohnsitze und des wirtschaftlichen Lebens auf der einen Seite und die Auflösung seiner kulturellen und religiösen Besonderheit auf der anderen Seite bilden die beiden Pole dieser Politik. Ihre Erscheinungsformen mögen verschieden sein, nach dem persönlichen Geschmack und den Launen der einzelnen Herrscher wechselnd, aber ihr Charakter und ihre Richtung bleiben von Anfang bis Ende sich gleich. Die Regierung Katharinas der Großen. Die Regierung Katharinas der Großen, der ersten russischen Kaiserin, die über eine dichtgedrängte jüdische Masse herrschte, zeigt bereits wie in einem Schattenriß die verschiedenen Züge dieser Politik. Die erste Teilung Polens im Jahre 1772 brachte die 200000 Juden der Provinz Weißrußland, die die heutigen Bezirke Witebsk und Mohilew umfaßt, unter ihr

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