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Jeschurun · 1918-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1918) · p. Seite 92

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 92 (sequence 92)
Language
German
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92 Die Juden in Rußland und Polen. sorgfältig wie die anderen Stände gehalten worden. Das hochfahrende Wesen der Schlachta, die alle Macht im Staate an sich gerissen hatte, machte es den Juden genau so wie allen anderen Ständen unmöglich, auch nur den mindesten Einfluß auf die allgemeinen Angelegenheiten des Landes auszuüben oderauch nur zu beanspruchen. Was die Städte anbetrifft, so schloß die Selbstverwaltung, die den deutschen Bürgern durch das „Magdeburger Statuta verliehen war, die Juden von der Teilnahme an der städtischen Verwaltung aus und zwang sie, als eine Art Selbstverteidigung eine eigene Organisation, den „Kahal“ oder die jüdische Gemeinde, mit Rechten, die denen der christlichen Gemeinden ähnlich waren, aufzubauen. Die polnischen Herrscher waren, wie wir im nächsten Kapitel sehen werden, eifrig bemüht, den autonomen Charakter der polnischen Judenheit zu begünstigen und aufrechtzuerhalten, und wenn diese, durch den eisigen Hauch des Hasses und der Verachtung erstarrt, sich in ihre eigene Schale zurückzog und sich diese Lage zunutze machte, indem sie ihre religiöse Besonderheit aufrichtete und schützte, so kann dies ihr nur zur Ehre gereichen. Und nicht minder als ihre Absonderung im gesellschaft» liehen Leben war die Absonderung der Juden Polens auf dem Gebiete der Kultur das Ergebnis des allgemeinen Zustandes des Landes. Wenn die Juden, um nur zwei besonders prägnante Beispiele zu erwähnen, ihren deutschen Dialekt auch weiterhin beibehielten, so muß man daran erinnern, daß die polnische Sprache selbst erst in einem späteren Zeitabschnitt der polnischen Geschichte zur Nationalsprache wurde, und daß damals das Lateinische ihr ganz erheblich den Rang streitig machte. Oder wenn die Juden beim Beginn der russischen Periode sich in der Kleidung von der polnischen Bevölkerung unterschieden, so war dies das Ergebnis der polnischen Kleiderordnung, die dahin strebte, die Juden von ihren Mitbürgern zu unterscheiden; und der Widerwille, mit dem die Juden sich zu dieser Absonderung bequemten, kann aus der paradoxen Tatsache erschlossen werden, daß die orthodoxen polnischen Juden bis zum heutigen Tage die polnische National-

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