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Jeschurun · 1918-01-01 · Heft 1-2 (Januar 1918) · p. Seite 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
5 (1918)
Issue
Heft 1-2 (Januar 1918)
Date
1918-01-01
Page
Seite 29 (sequence 29)
Language
German
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Zionismus, Nationaljudentum und gesetzestreues Judentum. 29 Damit ist auch die Idee des geistigen Zentrums von Achad Haam gerichtet. Selbst wenn Palästina die eigenartige Funktion verrichten könnte, dem Exil in Überwindung aller Distanz „geistige Speise“ dauernd zu liefern, so wird das nur eine Art Nachspeise sein, Labung für die Sabbathseele. Die Hauptspeisen jedoch, ihre werktätige Nahrung werden die verstreuten Juden in ihrer Lmgebung suchen und vom Geist der Umwelt empfangen. Das Zentrum mag anfänglich Sonne und Brennpunkt der Nation sein. Doch nur in der ersten Zeit wird es Licht und Wärme in die Ferne ausstrahlen. Seiner ganzen Anlage nach aber ist das Zentrum dazu angetan, das Erlöschen und Erkalten der peripherischen Volksreste zu begünstigen. Und das ist nur zu begrüßen. Denn wir werden dann national markierte Grenzen besitzen, die überschritten werden können. Für alle anderen Völker gibt es einen nationalen Übertritt; durch Einbürgerung in die fremde Sprach- und Kulturgemeinschaft ist der Übergang von einer nationalen Zugehörigkeit zu einer anderen vollzogen. Nur bei uns gibt es Juden, die im Geiste nichtjüdischer Gesetze, Sitten und Bräuche leben, im Geiste nichtjüdischer Traditionen, nichtjüdischer Geschichte, und doch von uns und von anderen als Juden bezeichnet werden. Diese eigenartige Lage wird mit der Schaffung eines nationalen Zentrums in Palästina eine Umwälzung erfahren. Durch die nationale Prägung in Palästina wird das Judentum so klare und deutliche Züge nationaler Echtheit, erhalten, daß es nicht mehr verfälscht werden kann. Ein jüdischer Volkstypus wird entstehen, und wer die Züge dieses Typus nicht trägt, wird nicht mehr Jude sein. Die nationale Konzentration in Erez Jissroel wird also der qualvollen Agonie des Golus ein Ende setzen, wird eine vollwertige Assimilierung in der Zerstreuung ermöglichen. Werden wir eine territoriale und materielle Volkseinheit erlangen, dann wird sowohl unsere Religion als auch die aus ihr herausgeschälte Geistigkeit viel von ihrer nationalen Einigungskraft einbüßen. Der Abfall von unserer nationalen Sprache, der Übertritt und die Einbürgerung in eine andere Sprachgemeinschaft, sozusagen die sprachliche Taufe, wird nicht

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