Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1917)
- Date
- 1917-12-01
- Page
- Seite 683 (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Aus der alten Zeit. 683 Packen und schrieb inzwischen noch alles, was aus- und einging, ins Geschäftsbuch ein — und alles dies geschah in Ruhe, voll Sicherheit und mit flinker Hand! . . . Während Rechele mit vollen Segeln auf das Meer de« Handels hinausfuhr, und ihr Schiff, von kundigen Händen geleitet, hurtig die Fluten durchschritt und alle Klippen geschickt vermied, saß ihr Mann R. Jekele im Besshamidrasch mit seinen Schülern, dreißig Baehurim, die alle lerneifrig mit Durst seine Worte tranken. Nur für wenige Augenblicke kehrte er zur Mittagszeit voller Unlust nach Hause zurück, um sein Mittagsmahl einzunehmen, denn Perele hatte ihm aufs Strengste angesagt, daß er sich 3a nicht verspäte. Aber auch während er beim Mittag saß, hörte er nicht zu lernen auf, denn zwischen jedem Löffel, den er nahm, zwischen jedem Bissen, den er herunterschluckte, versenkte er sich in das vor ihm liegende offene Sepher. Kaum hatte er seine Mahlzeit beendet, rannte er schon, wie aus der Pistole geschossen, nach dem Besshamidrasch zurück — seinem eigentlichen Hause. Man darf aber gewiß nicht glauben, daß diese enge Welt, „die nur vier Ellen umspannt“, eine Welt bar jeder Lust und dem Leben abgewandt ist, ein versumpfter Teich, der träge und lautlos dahinfließt — nein auch dort türmen sich die Wasser, auch dort schwillt der Hauch des Lebens zum Sturme an und schlägt seine Wellen, und diese enge Welt ist bis über den Rand voll von Gefühl, Begeisterung und Interesse. R. Jekele verstand es, seinen Unterricht mit seinem Geiste zu durchdringen, seinem frisch wie ein Springquell sprudelndem Geiste, und je tiefer und eingehender er eine Frage behandelte, um so reicher strömten „die Fluten der Thora seinem Munde und seinem Herzen, wie aus einem Born die Wasser quellen, und seine Schüler schöpften mit Wonne aus den Quellen seiner Thora, die alle Ufer überfluteten und überströmten. Jeden subtilen und erhabenen Gedanken wußte R. Jekele durch die Bewegung seiner Hände klar und verständlich zu machen, und diese Bewegung traf wie ein Blitz in das Herz seiner Schüler;