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Jeschurun · 1917-12-01 · Heft 12 (Dezember 1917) · p. Seite 628

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 12 (Dezember 1917)
Date
1917-12-01
Page
Seite 628 (sequence 4)
Language
German
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628 Jüdischer Nationalismus und gesetzestreues Judentum. die schärfsten prinzipiellen Bedenken auslösen, die dadurch noch verstärkt wurden, daß er vielfach die Jugend gesetzestreuer Familien dem religiösen Judentum entfremdete, indem er ihr hierfür ein leichtes Surrogat bot. Ein ganz anderes Bild bietet die Entwickelung in Osteuropa. Infolge des engen Beieinanderwohnens der Juden konnte hier das nationale Zusammengehörigkeitsgefühl nie verschwinden. Das religiöse Leben, das bei ihren westlichen Brüdern sich fast lediglich auf Familie und Synagoge beschränkte, betätigte sich bei ihnen in voller Oeffentlichkeit und mußte hierdurch den jüdischen Städten den Stempel auf drücken. Von besonderer Wirkung war hier auch die jüdisch-deutsche Sprache, welche die Juden des Ostens miteinander verbindet und von der Umgebung scheidet. So kommt eh, daß, mit verschwindenden Ausnahmen in allerdings einflußreichen Kreisen der Finanz und Intelligenz und im Proletariat, ein gewisses nationales Fühlen allen Juden des Ostens gemeinsam ist. Und doch findet auch hier der offizielle Nationalismus in gesetzestreuen Kreisen heftigen Widerspruch. Der Gegensatz zwischen gesetzestreuem Judentum und Nationalismus ist eben ein tiefgehend prinzipieller. Das gesetzestreue Judentum betrachtet das jüdische Volk lediglich als das Volk der Thora. In seiner Eigenschaft als Volk Gottes findet es seine Existenzberechtigung unter allen Verhältnissen. Es bedarf hierzu keinerlei Voraussetzungen wie der eines eigenen Landes und einer eigenen Sprache, die für andere Völker die Grundlage ihres Bestehens bilden. Andererseits wäre bei Aufgabe des Gottesgesetzes die Weiterexistenz ausgeschlossen. Das jüdische Volk ist daher etwas Einzigartiges unter den Völkern. Wohl ist zur völligen Erfüllung seiner Aufgabe ein nationales Leben im eigenen Lande notwendig. Doch dieses ist nicht die Voraussetzung, sondern die Krönung des Volkslebens. Hat doch das jüdische Volk bereits zweimal sein Land verloren, weil es seine Pflichten nicht erfüllte. Diese Auffassung des Nationalen als dem

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