Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 11 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- – (sequence 56)
- Language
- German
- Belongs to
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616 Erschaffung, Entstehung, Entwickelung. Keimzellen dargetan hat. Scharfen Einspruch erhebt der Verfasser gegen die Behauptung, daß die Evolution nur physikalische Ursachen habe. Dieser selbst für biologische Verhältnisse nicht gesicherte Standpunkt ist vollends unhaltbar im suprapersonalen Geschehen. Driesch, ז) dem W. nunmehr viel Aufmerksamkeit widmet, versteht unter Entwicklung ״jede auf geordnete Ganzheit hinzielende, noch unvollendete Gescbehensreihe.“ Weil dieses Charakteristikon für die Geschichte nicht gesichert ist, vielmehr manches auf kumulatives Geschehen hinweist, schließt Driesch sie einstweilen aus dem Entwicklungsbereich aus;2) Die Ethik trägt aber wahrscheinlich den Wesenszug echter Entwicklung. Bei der Phylogenie (Stammesentwieklung) legt Driesch wiederum große Skepsis an den Tag. Darwinismus (mit fit selection und Kampf ums Dasein) und Lamarckismus (mit der Lehre von der Vererbung erworbener Eigenschaften) suggerieren sicherlich die Auffassung von der Kumulation. Kur eine transformistische Lehre, die das phylogenetische Prinzip in die Organismen selbst verlegt, könnte eines Tages uns dazu führen, die Phylogenie als eine Evolution zu begreifen. Wiesner ficht den Begriff Ganzheit, der bei Driesch eine große Rolle spielt, an und selbstverständlich seinen Vitalismus. Seine eigene Definition der Entwicklung faßt W. in die Worte: die Entwicklung ist ein auf inneren Potenzen M Driesch, H. Philosophie des Organischen, 2 Bde. Leipzig 1909. und Abhandl. in dem Sammelwerk: Weltanschauung, Philosophie u. Beiigion von Dilthev u. a. Berlin 1911. *) In meinem Aufsatz ״zur Deszendenztheorie14 (Jesehurun I, Heft 10) war Drieschs Anschauung von dem Wesen der Geschichte nicht korrekt dargestellt. Der dort bejahte Evolutionismus ist für Driesch bisher nicht erweisbar, ja eher nicht annehmbar, wenngleich er vielleicht einmal möglich sein wird. (״Vielleicht wird später in ihr ein Entwicklungsmoment gefunden werden, das beispielsweise der Sphäre des ״Unterbewußtseins“ angehören könnte.a Driesch, Phil. d. Organ. I, S. 315.) 8) Hierzu finden sich bei F. A. Lange, Geschichte des Materialismus etc. (Abschnitt über Sokrates, Plato, Aristoteles) wichtige Bemerkungen. Der Sokratischen Schule ist das Wort nicht bloße Übereinkunft, sondern entspricht der inneren Natur der Sache. Diese Übersetzung verheerend gewirkt. *