Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 11 (November 1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- – (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden in Eußland und Polen. 611 ruf ihren Ausdruck fanden, von den Nachkommen der Helden von 1863 bewahrt worden wären, ist eine Frage, aut die die Antwort nicht mehr im Bereich des Geschichtsschreibers liegt, obwohl die; Ereignisse unserer Tage einen gewissen Anhalt für die Beantwortung bieten könnten. Nach Dezennien grausamer und grausiger Leiden hat man die Polen ermutigt, aufgeweckt durch den Klang der Frei־־ heitsglocken wieder ihre Hymne anzustimmen: ״Jeszce Polska nie zginela” Das jüdische Volk, das überall in der weiten Welt heißer voji der Freiheit geträumt hat und tiefer die Unterdrückung gekostet hat, als jeder andere Stamm, kann das Geschie&k der Freiheit einer Nation nicht neiden, die immer die Freiheit geliebt, wea^n sie auch nicht immer sie begriffejn!hat, und die durch die unentwegte Anhänglichkeit an •ihre U;eberlieferungen und sehnsüchtigen Hoffnungen in den Zeiten des Unglücks für manche Irrtümer gebüßt hat, die sie in den Tagen des Glückes begangen. Was die Judefn, Polens anbetrifft, so hat allezeit tief in ihrem Herzen das Gefühl gelebt, daß sie ein Teil und ein Stück des Landes sind, das sie von seiner Gründung an aufbauen geholfen haben, in dem sie die Freuden und Leiden in den Tagen des Glücks und des Unglücks in Treue geteilt haben. Aber wir Juden, die wir die Nachkommen der Propheten sind, wir glauben ebenso fest an die Gerechtigkeit, wie wir an die Freiheit glauben. Wir wissen, daß מ צדקה תרומם גריGerechtigkeit ein Volk erhöht;t und nicht die Fülle politischer Bürgschaften una diplomatischer Lockungen wird die; Polen retten, wenn sie nicht aus der bitteren Erfahrung gelernt haben werden, ihre Vergangenheit mit ihren Ungleichheiten und Rangunterschieden zu begraben und ein neues Blatt der Geschichte zu beginnen, auf dem das alte Ideal Pollns, wenn auch in einem volleren und glücklicheren Sinne erglänzen soll: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. (Fortsetzung folgt.)