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Jeschurun · 1917-09-01 · Heft 9-10 (September 1917) · page 111

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 9-10 (September 1917)
Date
1917-09-01
Page
– (sequence 111)
Language
German
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Von Dreien, die gegessen haben. 555 Aus dem Judenviertel drangen Nachrichten in die Synagoge, wie man sie vorher nie gehört, und nachmals niemals hören wird; in der Synagoge jedoch hörte niemand auf sie hin, keiner fragte, keiner forschte, denn jeder fürchtete sich, zu hören und zu erfahren, was in seinem Hause geschehen war . . . Diese Nacht werde ich niemals vergessen, und wenn meiner Jahre noch viele sein werden, ich werde sie nicht vergessen! Aber noch unendlich viel furchtbarer war der nachfolgende Tag, der Jaum-kippur, furchtbar alles, was mein Auge an jenem Tage sah und meine Ohren hörten. Und noch jetzt, wenn ich einen Augenblick meine Augen schließe, steht vor ihnen, was ich da geschaut, und es dünkt mich, daß meine Füße noch im Gotteshause weilen, inmitten der Gemeinde . . . Jaum-kippur nachmittag. — Auf der Kanzel inmitten der Synagoge steht der Raw in aufrechter Haltung. Ruht ein Zauber auf dem Angesichte dieses Mannes? Strahlt eine Anmut von ihm aus, die die ganze Gemeinde anzieht? ... Im Hintergründe des Raumes steht der Knabe, und seine Augen hängen an dem Angesichte dieses Mannes, und er wendet sie auch nicht einen Augenblick von ihm ab . . . Es ist wahr, ein so ehrwürdiges, heiliges und gütiges Angesicht habe ich noch nie gesehen! Alt und lebenssatt ist der Raw, vielleicht siebzig oder achtzig Jahre, und trotzdem ist sein Wuchs aufrecht und überragt auch jetzt noch die ganze Gemeinde. Sein Bart ist weiß, silberweiß, und doch ist sein volles und reiches Haupthaar noch viel weißer. Auch sein Gesicht ist ganz weiß, doch fällt es nicht bei dem weißen Kittel, den er heute angelegt hat, auf. Auch seine Lippen sind blaß; nur seine großen, schwarzen Augen leuchten, wahrlich nicht wie die eines alten Mannes. — Von meiner frühsten Jugend an hatte ich gelernt, diesen Mann zu verehren, und als ich noch ein ganz kleines Kind war, wußte ich bereits, daß er ein Gottesmann ist, einer der größten im Lande, zu dem viele wallen, an dessen Lippen viele hängen, an den die Rabbiner im Lande mit ihren Anfragen sich wenden und seine Entscheidung anrufen. Ich

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