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Jeschurun · 1917-09-01 · Heft 9-10 (September 1917) · page 80

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
4 (1917)
Issue
Heft 9-10 (September 1917)
Date
1917-09-01
Page
– (sequence 80)
Language
German
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524 Die Juden in Rußland und Polen. und ließ Probleme entstehen, die, wie wir im nächsten Kapitel sehen werden, während der russischen Herrschaft im Vordergründe der jüdischen Wirtschaftsgeschichte standen. Es ist daher notwendig, einen klaren Einblick in das Wesen dieser Umgestaltung zu gewinnen. Die Juden, die sich in den Dörfern niederließen, hinderte teils ein gewisser natürlicher Mangel an Übung und teils die elende Lage der chlops, Landwirtschaft zu treiben. Es war daher natürlich, daß sie es vorzogen, ihre angeborene kaufmännische Geschicklichkeit auf das Landleben zu übertragen. So wurde der Jude ein ״Arendar“, von dem mittelalterlichlateinischen Worte arrendare pachten, d. h. ein Pächter oder Mieter, der die ländlichen Erzeugnisse des Pan, seine Mühlen, Brennereien, Molkereien, Fischgerechtsame, Jagden und andere landwirtschaftliche Betriebe pachtete. Er wurde auch der Inhaber der Dorfschenke, oder der ״karchma״ — im Jargon Kretschme genannt — die, so primitiv sie auch war, die einzige Unterkunftsmöglichkeit im Lande darbot. Der Engländer William Coxe, der im Jahre 1784 Polen bereiste, bezeugt die Tatsache, daß auf der langen Heerstraße zwischen Krakau und Warschau, in einer Ausdehnung von mehr als 258 englischen Meilen, die einzigen Plätze für die Aufnahme von Reisenden die von Juden gehaltenen Schenken waren. Mit dem Halten einer Schenke war der Verkauf von Branntwein unzertrennlich verbunden. Der Branntweinhandel war der Angelpunkt und Eckstein des ganzen landwirtsehartliehen Betriebes Polens und einer der wichtigsten Posten in dem Budget des Königreiches. Die Erzeugung von Alkohol, zum Teil veranlaßt durch den Reichtum an Korn, das der Mangel an Transportmöglichkeiten im Lande hielt, und zum Teil eine Folge der Unmäßigkeit der Bevölkerung, bildete eine höchst bedeutsame Einnahmequelle für den Pan und das Reich, in gleicher Weise, wie sie bis in die letzte Zeit hinein der wertvollste Posten in den Staatsfinanzen Rußlands geblieben ist. Das Brennereirecht, oder, wie es mit einem halblateinischen Ausdrucke genannt wurde, das Recht der Propinacie, wurde

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