Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- – (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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490 Die nationalen Forderungen des jüdischen Volkes in Rußland usw. biete betätigen. Eine politische Partei, im vollsten Sinne des Wortes, stellt dagegen die ״jüdische Nationale Partei״ dar. Die jüdische Nationale Partei, auch die Autonomisten- Partei genannt, hat sich als Partei im Jahre 1906 konstituiert. Die theoretischen Grundlagen dieser Partei sind aber noch viel früher geschaffen worden. Und zwar war es der bekannte jüdische Historiker Dubnow, der in seinem Buche ״Briefe über das alte und neue Judentum״ die Theorie des jüdischen Autono־ mismus wissenschaftlich begründet hat. Ich kann hier nicht auf den Inhalt dieses bekannten Werkes genau eingehen. So viel sei aber hier gesagt. Nach längeren Untersuchungen gelangt Dubnow zu dem Schlüsse, daß das Weiterbestehen eines Volkes inmitten der andern Völker durch seine specifische nationale Kultur gewährleistet wird. Diese nationale Kultur ist es, die seine Assimilation mit der Umgebung verhindert und das Volk als einen besonderen Organismus am Leben erhält. Jedes Volk muß daher die Möglichkeit haben, sich geistig und kulturell frei zu entwickeln. Daraus zieht Dubnow die Konsequenzen, indem er auch für die Juden Hußlands eine national-kulturelle Autonomie verlangt. Tatsächlich, sagt Dubnow, besaßen wir im Laufe unsrer ganzen Geschichte stets eine Autonomie auf dem Gebiete unsres inneren Lebens. Nur erkauften wir uns diese Autonomie mit unsern bürgerlichen Hechten. Waren wir denn nicht innerhalb des Ghettos ganz autonom? Und die berühmte Vierländersynode in Polen — was war es denn anderes, als eine breite national-kulturelle Autonomie, mit einer eigenen gesetzgebenden Körperschaft an der Spitze? Als aber die Zeit der Emanzipation heranbrach, da opferten wir diese nationalen Vorrechte, um an ihrer Stelle die bürgerliche Gleichberechtigung zu erlangen. Den ״Juden als Bürgern — Alles, den Juden als Volk — nichts“, so hieß es damals. Das darf nicht sein, sagt Dubnow. Beides nationale und bürgerliche Hechte — können sich vertragen und nur zusammen haben sie einen Sinn. Wir müssen auch jetzt eine Autonomie haben, ähnlich jener, die wir im Laufe unsrer Geschichte stets besaßen.