Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- – (sequence 76)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2292929-2292969-2292976--02294-2295561- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
428 Der ״Masmid“. den Saal, und staunend, hilflos, blicken die Eindringlinge immer nur den Masmid an, dessen geheimnisvolle Kraft sie sich nicht erklären können. Ihre Situation wird von Minute zu Minute peinlicher. Die Bachurim beginnen zu spötteln, einer reicht ihnen die Gemoro hin mit der Aufforderung, dem Beispiel des Masmid zu folgen. Da wenden sich die Bundisten an den Maschgiach daß er den Masmid zum Schweigen bringe. Aber auch der ängstliche Maschgiach hat heute seinen heldenhaften Tag. Kurz und bündig erklärte er ihnen: ״Mit mein er Herrschaft hier ist es vorbei, Ihr, die neuen Herren, habt hier für Ordnung zu sorgen. Übrigens bestand meine Aufgabe immer darin, das Lernen zu fördern, nicht aber zu verbieten.u Seine Worte sind der Eunken, der das Pulverfaß trifft. Kaum hat er geendet, da hallt schon der ganze Kaum von Schüssen wieder. Vollständige Panik beherrscht die Bachurim. Um ihre Haltung? ihren Mut ist es geschehen, sie drängen alle zum Ausgang um ihr Leben zu retten, doch der ist bereits von Bewaffneten besetzt. Gebieterisch fordert man, daß jeder seinen alten Platz einnehme und ruhig die Worte der Kednerin anhöre. — Und es geschieht. Wieder besteigt die Kednerin die Kanzel, wieder scheinen die Bundisten die Herren der Situation; doch sie haben wieder ihn vergessen. Ihn, den Masmid. Urplötzlich hat er seinen Platz wieder verlassen, an dem er sonst wie festgebannt schien. Der regelmäßige Sang seines Lernens ist verstummt, aber mit festen entschlossenen Schritten, mit einer Sicherheit, die keinen Widerspruch, kein Hindernis kennt, bahnt er sich einen Weg zur Kanzel. Das unerwartete eigenartige des Vorgangs, die mystische Kraft seiner Persönlichkeit . . (der Blick seiner tiefen träumenden Augen ist voll unwirklicher Spannung und Glut) . . . verschafft ihm freie Bahn. Auch die Bundisten treten zur Seite. Das erschreckte Mädchen verläßt die Kanzel, die nun der Masmid besteigt. Lautlose Stille begleitet den Vorgang. Aller Augen sind an ihn gefesselt, jeder fremde Wille schweigt; mit der asketischen Kraft seines Wodens beherrscht der Masmid Feind und Freund. . . . Langsam legt er die