Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- – (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
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Professor Kittels Obergutachten. 419 griechischen Volksglaubens kennen, die Rede ist, sondern von mner Betätigung des Zornes der Gottheit gegen die Bösen. Die Betörung wird also als eine Tat der göttlichen Gerechtigkeit, als Strafe gefaßt. Ist’s aber an dem, so trifft die griechische Vorstellung hier mit den Prinzipien der Offenbarungsreligion, wie sie im Alten und Neuen Testament vorliegt, zusammen. Nun wird zwar Prof. K. z. B. das über Pharao verhängte Verstockungsgericht, welches mit seinem Untergang endete, in der überlieferten Gestalt nicht ohne weiteres annehmen. Der Bericht ist bloß biblisch verbürgt, also nach moderner Auffassung unzuverlässig. Dagegen getrauen wir uns zu hoffen, daß K. in der Betörung Napoleons 1. vor 100 Jahren ebenso die Hand Gottes erkennen wird, wie unsere Väter sie erkannt haben, und daß er solche von Gott verhängte Betörung nicht kritisieren und etwa sagen wird: Das deutsche Volk hatte damals einen ungeläuterten Gottesbegriff. Er würde vielleicht in Venturini’s Darstellung von ״Rußlands und Deutschlands Befreiungskriegen“, I. Band, (Leipzig 1816) nicht ohne Zu- Stimmung folgende Sätze (S. 199) lesen: ״Die Einwirkung einer höheren Macht — man nenne sie Weltschicksal, Vorsehung oder Gott — gibt bei solchen Ereignissen den einzigen Erklärungsgrund ab. Ohne diese Einwirkung bleibt Napoleons Verblendung stets unbegreiflich . . . Unendlich mußte die Verblendung sein, welche nicht zum ruhigen Überlegen des höchst gewagten Spiels, das nun begann, gebracht werden konnte.14 — Auch E. M. Arndt sagt in seinen ״Schriften für und an seine lieben Deutschen“, Band I, S. 287: ״Schon war die Furcht und Verzweiflung der meisten Menschen dahin gekommen, daß sie meinten, diesem Manne [Napoleon] könne nichts widerstehen. Aber Gott, der die Gerechtigkeit und Freiheit nicht gar untergehen lassen wollte, verblendete ihn in der Bosheit seines Herzens und er mußte sich selbst bereiten, was ihn verderben sollte.“ Ibid. Bd. II, S. 314: ״Die Frömmigkeit schreibt Bonapartens unbeschreibliche Verblendung, wodurch er die ungeheuerste Macht in ein paar Jahren zerstörte, am liebsten Gott zu. Und wahrlich, Pharao, 28*