Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1917)
- Date
- 1917-07-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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g66 Die nationalen Forderungen des jüdischen Volkes in Rußland usw. Es ist klar, daß nur ein eigenes jüdisches Gesundheitsamt mit dem Übel auf diesem Gebiete erfolgreich kämpfen könnte, denn nur eine eigene Zentrale, die die spezifischen Lebensbedingungen der Juden genau kennt, wäre imstande, die Ursache des Übels an der Wurzel zu fassen. Es ließen sich eine Menge solcher Beispiele anführen. Auch auf dem Gebiete des Armenwesens, der öffentlichen Wohlfahrt, kurz, überall treten jüdische Besonderheiten zutage. Überall finden wir spezifische jüdische Bedürfnisse, die wir selbst werden am besten befriedigen können. Es sei hier noch ein Problem erwähnt, das in wirklichem Sinne des Wortes ein rein jüdisches Problem ist. Denn bei keinem anderen Volke Rußlands ist es vorhanden, allenfalls weit nicht in demselben Maßstabe wie bei uns. Das ist das Problem der jüdischen Emigration. Wir wissen, wie ernst die Frage der Emigration von allen' Staaten der Welt genommen wird. Kostspielige und riskante Kolonisationspolitik wird getrieben, um den auswandernden Elementen ein Siedlungsgebiet zu schaffen und sie auf diese Weise dem Staate und dem eigenen Volkstum zu erhalten. Ein Staat würde es immer als ein großes Übel betrachten, wenn alljährlich tausende seiner Söhne ihn verlassen hätten, um nach einigen Jahrzehnten inmitten eines fremden Volkes aufzugehen. Bei keinem Staate liegt aber das Problem so ernst wie bei uns. Denn bei jenen ist es doch ein verschwindend kleiner Bruchteil der Bevölkerung, der sein Vaterland verläßt. In Rußland waren es aber in letzten Jahren über 100 Tausend Juden jährlich,, die auswanderten, also ein ganz ungeheuerer Prozentsatz der jüdischen Bevölkerung. Und diese Auswanderungsbewegung ging ohne jeglichen Plan von sich, ohne eine leitende Hand von oben, wenn wir die paar Privatorganisationen nicht mit zählen, die übrigens Verhältnismäßig nur wenig zu leisten vermochten. Und was waren die Folgen?! Nach einigen Jahren war in manchen Orten schon ein Überfluß an Arbeiterhänden entstanden. Die Menge .strömte jedoch weiter auf dem einmal ausgetretenen Pfade.