Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- – (sequence 64)
- Language
- German
- Belongs to
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3^2 Zum Unterricht in der hebräischen Grammatik. aber das selige Lächeln der echt jüdischen Mutter gesehen, wenn die Lippen der Bänder zum ersten Male zu den hebräischen Lauten sich öffnen, das reine Glück, das so gar nichts von Elterneitelkeit und Affenliebe an sich trägt, wenn die Kinder schon in der heiligen Sprache beten, der wird wahrlich es nicht so leicht nehmen mit der Durchbrechung dieser uralten Sitte. Und nun gar das vorgeschlagene deutsche Gebet I Als wenn wir nicht alle wüßten, daß in alten Zeiten auch in der Landessprache gebetet worden ist, daß Talmud und Poßkirn nichts dagegen einzuwenden haben. Aber es geht hier ebenso wie mit der מצבה der Stammväter, die später als sie von den Heiden angenommen wurde, nach dem Talmud Gott zum Abscheu wurde. Es ist für unser Empfinden nun einmal, nachdem die deutsche Gebetsprache zum Losungswort der Neologie geworden ist, das Gebet in der Landessprache zu etwas Eremdartigern, uns Anfröstelndem geworden. Und ich‘kann mir wohl vorstellen, wie einem Jehudi von altem Schrot und Korn zu Mute sein würde, es braucht gar nicht ein Ostjude zu sein, der zumBesuche ist und vor dem die Kinder zu Bett gebracht werden und der nun statt der uralten Laute des Nachtleinen oder der kurzen hebräischen Sprüche, ein deutsches Kindergebet, womöglich in Reimen zu hören bekommt. Kurz, wir wollen doch lieber bei unserem alten Brauche bleiben, zumal der Erfolg der gewünschten Reform nach dem oben Ausgeführten mehr als zweifelhaft ist. J. W. Verantwortlicher Redakteur Dr. J. Wohlgemute, Berlin. Verlag des Jeschunin, Berlin. Druck von Max Schmersow in Kirchbain N.-L.