Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- – (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden in Kußland und Polen. 337 Das Auftreten der Reformation verstärkte die feindselige Gesinnung der Kirche gegen die Juden. Die Fortschritte, mit denen ihre freisinnigen Lehren sich durchsetzten, wurden dem Einfluß der Juden zugeschrieben, denen sogar vorgeworfen wurde, sie hätten eine große Zahl von 'Christen zum Judentum bekehrt. Literarischer Antisemitismus, eine Erbschaft des Mittelalters, mit der Fabrikmarke ,.Made in Germany״, erhob seine giftgeschwollene Stimme gegen dein verhaßten Stamm. Diese Stimmungen fanden ihren 'Aus־׳ druck in dem bereits oben erwähnten Beschluß der Synode des Jahres 1542, der den König auf das dringendste ersuchte, die Ausführung der bei früheren Gelegenheiten angenommen nen kanonischen Gesetze mit allem Nachdruck zu betrein ben: die Vermehrung der Juden im Lande einzuschränken, den Bau neuer Synagogen zu verbieten, die Juden von der An,- Stellung als Verwalter auf den Ländereien der Schlachta aus*- zuschließen, ebenso wie ihnen die öffentliche ־ Ausstellung{ ihrer Waren zu untersagen und andere Beschlüsse von dem gleichen menschenfreundlichen Charakter. Dm den Anhängern der Reformation die Wahrheit des heiligen Abendmahles zu beweisen, wurde mit Unterstützung eines päbstlichen Nuntius im Jahre 1556 in Sochaczew ein neuer Hostienprozeß eingeleitet. König Sigismund II, der aufgeklärt genug war, die wahren Beweggründe der Hetze zu durchschauen, gab sofort Befehl, die Anklage zu unterdrücken. Aber die Geistlichkeit überlistete den König, und drei Juden wurden vor der Ankunft des königlichen Herolds aut dem Scheiterhaufen verbrannt. Es ist unnötig, noch weiter aut Einzelheiten einzugehen. Die angeführten Tat- Sachen genügen, um die Haltung der polnischen Geistlich1keit zu beleuchten, die nicht um ein Jota besser war!als die ihrer ״Brüder in Christo“ in Westeuropa, nur mit dem! Unterschiede, daß ihre' wirkliche Macht in Polen nach dem Jahre 1572 begann, zu einer Zeit, in der ihre Macht in Westeuropa bereits ins Wanken geraten war.