Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1917)
- Date
- 1917-06-01
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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306 Ein Buch, das noch zu schreiben ist. innerhalb des Judentums nud es muß seine Bekenner fähig machen, auch deren Argumenten gegenüber das Feld zu behaupten. Zuförderst muß entgegen allen Bestrebungen, die eine Gleichheit der beiden ״Richtungen“ im Judentume oder wenig• stens die Möglichkeit einer Annäbrung verfechten, die tiefe innere Kluft, die zwischen ihnen gähnt, in ihrer ganzen Tragweite aufgezeigt werden. (Wohlgemuth, Gesetzestreuesund liberales Judentum S. 77—102). Ferner gilt es, den Vorwurf abzuwehren, als sei die heutige Orthodoxie eine Neuschöpfung, die in dieser Art niemals zuvor bestanden habe (״Neuorthodoxie“ — dabei wäre eine Bemerkung über die oft mit einem gehässigen Nebengedanken verwendete Bezeichnung ״Orthodoxie“ angebracht. Vgl. Wohlgemuth ״die Erfindung der Orthodoxie durch S. R. Hirsch Israelit 1907 Nr. 43 und Wohlgemuth. ״Etwas über die Termini Orthodoxes und Gesetzestreues Judentum“ Hoffmann - Festschrift S. 435 — 458). Wenn behauptet wird, das gesetzestreue Judentum selbst setze sich, in seinem Bestreben, das Festhalten an der Tradition in ihren ganzen Umfange mit der Teilnahme am modernen Leben zu vereinen, über manche talmudische und rabbinische Anordnung hinweg, so muß auf einzelne konkrete Punkte, die hier in Betracht kommen, näher eingegangen werden, Abermals nenne ich nur ganz wenige Beispiele. Das Abnehmen der Kopfbedeckung im gedeckten Raume ist, wenn es auch von unsern Brüdern im Osten nicht geübt wird, nach Meharschal, Respons. 72, bekanntlich zulässig, — Die — von Maimonides u. anderen allerdings untersagte — Beschäftigung mit den profanen Wissenschaften am Sabhath wird von בית יוסף Or. Ch. 307 auf Grund der תש' הרש״ בא gestattet. — Die Gewohnheit, auch der gesetzestreuen Juden, erst relativ spät zu heiraten, nachdem man sich eine Existenz gegründet hat — im Gegensätze zu dem Brauche früherer Zeiten und dem unserer Brüder im Osten — findet in gewissem Sinne eine Stütze an Talm. Kidusch. 29 b, wo mit der Begründung רהים בצואת ויעסוק בתורה angeordnet wird, erst nach Vollendung der Studien zu heiraten. Ein andermal wieder wird den Rabbinern zur Last gelegt,