Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 4 (1917)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1917)
- Date
- 1917-05-01
- Page
- – (sequence 59)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden in Rußland und Polen. 287 als eine Art von Geleitsbrief durch Feindesland. Die Könige waren wohl imstande, den Juden Freiheiten zu gewähren, aber sie hatten nicht die Macht, ihnen die Freiheit zu gewähren. Dieser Freibrief ist weit eher der Ausgangspunkt eines systematischen und mehr oder weniger organisierten Kampfes gegen sie, geführt von dem polnischen Volke, wie es von seinen verschiedenen Ständen repräsentiert wurde. Man kann sagen, daß dieser Kampf Umfang und Inhalt der äußeren Geschichte der Juden in Polen in sich schließt, — Geschichte in dem traurigen Sinne der jüdischen Diaspora, das heißt, Geschichte nicht von den Juden sondern gegen sie ge״ schaffen. Die Kriegführenden in diesem Kampfe sind auf der einen Seite die Juden, mehr oder weniger wirksam von den Königen unterstützt, und auf der anderen Seite die drei Stände Polens, die ״Alliierten“, wenn man will: Die Kirche, die Schlachta und die Bürger, die gegen die Juden meistenteils auf getrennten Schlachtfeldern, bei Gelegenheit auch mit vereinten Streitkräften kämpfen. Die Bauern oder chlops sind hors de combat, außer daß die Juden gelegentlich als Blitzableiter ihres Hasses gegen ihre adligen Unterdrücker dienen. Was die übrigen Ständ anbetrifft, so ist ihr Krieg gegen die Juden nicht eine Aufeinanderfolge regelrechter Schlachten oder deutlich in die Erscheinung tretender Niederlagen oder Siege-, er ist ein schleiehender und aufreibender Kampf in den unterirdischen Regionen des wirtschaftlichen Lebens. Er wird von seiten der kirchlichen Synoden, der Sejms der Schlachta und der Gemeindebehörden der Bürgerschaft in der unauffälligen Methode wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Beschränkungen geführt, und nur gelegentlich wird durch die etwas gewalttätigere Inscenierung von Volksaufständen und Ritualmordbeschuldigungen eine gewisse Abwechselung hineingebracht. Er ist, um ein uns jetzt so vertrautes Bild zu gebrauchen, im wesentlichen ein Stellungskrieg. Beide Feindehaben starke Befestigungswerke aufgeworfen, Schützengräben werden genommen und wieder entrissen, die Feinde rücken wenige Meter vor und zurück; offene Ge״